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Behind the Meta: LMS

LCS, LCK und auch die LPL sind den meisten League of Legends Fans, die sich mit der eSports Szene beschäftigen, ein Begriff. Fragt man die eSports Interessierten allerdings nach der LMS, stößt man häufig auf Verwunderung.

Allenfalls Teams wie ahq e-Sports Club, die Flash Wolves oder auch HongKong Esports sind einigen durch große Veranstaltungen wie dem Mid-Season Invitational oder Star-Spielern à la Kurtis „Toyz“ Lau ein Begriff. Dabei hat gerade die Region der LMS mit Taiwan, Hongkong und Macau umfassend spielerisch einiges zu bieten.

Der Coach des bekannten und erfolgreichen Teams Edward Gaming sagte über die LMS:

„Nachdem ich ahq vier Tage lang bei ihren Testspielen zugesehen habe, bekam ich das Gefühl, dass die Region Teamkämpfe liebt.“

Ob dieser Kommentar von Coach Ji "Aaron" Xing positiv oder eher negativ zu deuten ist, bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist jedenfalls: Langeweile kommt in der LMS niemals auf und genau das spiegelt sich auch im Verlauf der heiß umkämpften League Master Series wider. Die kontinuierliche stärker werdende Konkurrenz hat ihnen alles über die Saison abverlangt, jedoch konnte sich schlussendlich ahq e-Sports Club und Flash Wolves im Kampf um die Weltmeisterschaftstickets durchsetzen.

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Fan Support

Die Meta der LMS

Schon Aaron von Edward Gaming beleuchtete die Spielweise der LMS in seinem Kommentar recht umfassend: Die sehr stark auf Teamkämpfe ausgerichtete Spielweise der Teams in Taiwan zeigt sich auch in den am häufigsten ausgewählten Champions der Region. Während der laufenden Saison war Sivir ein äußerst beliebter Champion bei allen Teams der LMS. Sie wurde insgesamt 70 Mal von Teams als Schütze ausgewählt. Das ist bei gegebenem Stil der Teams ein logischer Schritt. Sivir bringt als ADC alles mit, um ihr Team auf einen Kampf optimal vorzubereiten und kann dabei noch starken Eröffnungen durch Fähigkeiten von ihren Gegnern mit ihrem Zauberschild entgegenwirken.

Clement Kaihsin Chu ist Kommentator der LMS und ist ein Experte, wenn es um die Strategien der Teams der LMS geht. In einem Interview erklärte er: “Es gibt den koreanischen Waveclear-Stil, den man auch SKTelekom T1 oft spielen sieht. Die Teams wählen Viktor, Sivir und eventuell Maokai Top-Lane, um Druck mit Leichtigkeit auf den Lanes auszuüben. Damit ist es möglich eine Eins-Drei-Eins- Rotationsstrategie zu spielen.“ Er fügte hinzu, dass Sivir eine generell starke Wahl in dieser Meta war, denn sie kontert Poke- und Engage-Teamkompositionen.

Der Nachteil den Sivir mit sich bringt ist ihre vergleichsweise schwache Phase zu Beginn des Spiels. Das ist jedoch verkraftbar für den Spielplan den die taiwanischen Teams oftmals für ihre Spiele bereithalten. Im Vergleich zu anderen Regionen konzentrieren sich die Teams der LMS häufiger auf eine gute Grundlage für den späteren Spielverlauf, indem oft große und langwierige Teamkämpfe stattfinden, als auf einen sehr aggressiven Spielbeginn.

Generell kann man sagen, dass die LMS mit einer eher kleinen Auswahl an Champions in den Wettbewerb startet. Viele Top-Laner der Region sind recht unerfahren und sind nicht selten Spieler, die von anderen Positionen auf die Top-Lane gewechselt sind.

“Ich denke, dass die Top-Lane, die am wenigsten entwickelte Lane im taiwanischen Meta ist."

"Viele Top-Laner der Liga sind relativ neu auf der Position und häufig von Carry-Positionen, wie zum Bespiel ADC, auf die Top-Lane gewechselt. Es ist grundlegend zu erkennen, dass Tank Champions wie Shen oder Maokai hoch im Kurs bei diesen Spielern stehen“, verriet Clement.

Dadurch begrenzen sich die Möglichkeiten dieser Spieler häufig auf mechanisch weniger anspruchsvolle Tank-Champions, welche sowohl in vergangen als auch aktuellen Patches zwar für Zuschauer häufig eher Langsamkeit versprachen, für die Teams allerdings ein äußert effektives Mittel darstellten. Diese Art der Auswahl von Top-Lane Champions macht Kämpfe im späteren Spiel oft zu einem Aufeinandertreffen von einer Vielzahl von Giganten, welche ohne Ausnahme ihre sechs Gegenstands-Plätze für Defensivgegenstände reserviert haben. Dies führte dazu, dass Kämpfe deutlich in die Länge gezogen wurden und selbst nach langwierigen Schlachten in der Kluft der Beschwörer verhältnismäßig wenige Tode zu verzeichnen waren. Hierbei glich die Strategie der Teams oftmals einem Spiel zwischen Katz und Maus. Das Team mit dem besseren Kampfpotential, dass es schaffte den gegnerischen Champions möglichst viel Leben abzuziehen und sie zwang sich in ihre Basis zurückzuziehen, konnte sich Objekte wie Drachen, Baron Nashor oder auch spielentscheidende Türme sichern.

Bei Champions, die im Dschungel gespielt werden, gibt es von Team zu Team verschiedene Stile: Zum einen gibt es Jungler, welche eher auf robustere Champions setzen, um das Eindringen in den gegnerischen Dschungel risikoarm zu ermöglichen. Dabei ist das Ziel Sicht für das eigene Team zu schaffen oder gegebenenfalls Sicht des Gegnerteams zu nehmen.  Zum anderen sind Tank-Jungler sehr beliebt gewesen, um in Kämpfen eine starke Frontline zu bieten. Diese ermöglichen es den Fokus der Hauptschadensquelle des Gegnerteams auf sich zu ziehen und dabei gleichzeitig seine eigenen Carries zu schützen. Diese Spielart dient den Junglern im frühen Spielverlauf bereits den gegnerischen Dschungel zu kontrollieren und von dort aus zu verhindern, dass der Gegner an häufig sehr entscheidende Buffs kommt. “Mountain ist ein sehr guter Blutkoloss-Jungler”, sagt Kommentator Clement über den Jungler Zhao-Hong "Mountain" Xue von ahq e-Sports Club. Er erklärte zudem: “Mountain zeigte praktisch der gesamten Region wie man diese Art von Jungler spielt – und zwar in dem man ständig Invasionen im gegnerischen Dschungel startet und versucht Kämpfe zu beginnen. Der Jungler selbst kann sie dank seiner Robustheit häufig überleben. [...] Die Leute nennen ihn häufig auch einen Räuber, da er immer versucht vom gegnerischen Jungler Ressourcen zu stehlen.“ Er hatte Spiele, da hat er seinem Gegner nur erlaubt, die erste Runde an Buffs zu bekommen, danach hat das Gegnerteam keinen Einzigen mehr gesehen. Mountain’s Siegesraten mit Gragas und Rek‘Sai von 91% und 89% untermauern diese Aussage sehr überzeugend.

Ein anderer Stil der Jungler fokussiert sich weit mehr auf die offensiven Werte der Champions, als auf die Robustheit. Jungler, welche diesen Typ von Champion bevorzugt spielen entscheiden sich nicht selten für die Krieger-Verzauberung oder auch die Runengleve-Verzauberung für ihren Dschungelgegenstand. Ziel dieser Art von Jungler ist es im frühen Spielverlauf die Carry-Positionen des Gegners möglichst früh und weit zurück fallen zu lassen.

“Karsa ist mehr der Krieger-Typ eines Junglers.”, erläutert Clement und bezieht sich auf den Jungler von Flash Wolves Hao-Xuan "Karsa" Hong. Er erklärt weiter: “Seine Champions sind Lee Sin und inzwischen auch offensive Champions wie Nidalee oder Elise. [...] Er konzentriert sich gern darauf Lanes zu unterstützen und Tötungen zu erzielen. [...] Vor allem hilft er gern in der Mid-Lane aus, anders als Mountain, der sich häufig auf die Bot-Lane konzentriert.“ Er versucht mit dem Unterstützer auf der ganzen Karte präsent zu sein und Sicht aufzubauen. Auch er zeigt mit einer Siegesrate von 83% auf Nidalee, wie stark er mit diesem Jungle-Stil ist.

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Ekko

Bei einem Champion sind sich jedoch die meisten Jungler der LMS einig: Ekko wurde im Summer Split ganze 27 Mal ausgewählt und davon konnten immerhin 14 Spiele positiv mit Ekko entschieden werden. Seine Beliebtheit ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er durch seine großartigen Möglichkeiten zur Flucht für den Spieler die Chance bietet Sicht im gegnerischen Dschungel zu gewähren und noch immer im Teamkampf nützlich mitwirken zu können. Außerdem ist es möglich ihn sowohl als Tank zu spielen, als auch einen weniger robusten aber dafür Schaden austeilenden Ekko ins Spiel zu bringen. 

“Ekko ist ein sehr anhänglicher Jungler. Gerade nachdem Riot die Abklingzeit seiner Fähigkeit Phasensprung reduziert hat und durch die starke Verlangsamung, die er durch seine Fähigkeit Zeitspuler erhält, ist es schwer von ihm wegzukommen. Wenn eine Poke-Komposition sich einmal von ihm abfangen lässt, können sie praktisch nicht mehr entfliehen.”, kommentiert Clement die Stärke von Ekko.

Die Mid-Laner der LMS sind sehr drauf fixiert Poke-lastige Champions zu spielen. Das bedeutet, sie entscheiden sich häufig für Champions, die auf große Distanz konstanten Schaden an gegnerischen Champions verursachen können, um den Gegner so schon zu Beginn der Kämpfe bei sehr geringem Leben zu halten. Beispiele für diese Art von Champions sind unter anderem Kog'Maw oder auch Azir. Viktor, welcher in anderen Regionen enorm populär ist, wurde in der LMS selten gespielt und anfangs auch mit äußerst geringem Erfolg.

“Die Leute haben nicht erkannt wie stark Viktor ist, bis sie gesehen haben, wie viel Faker ihn spielt. Ich glaube er hatte die längste Serie an Niederlagen von allen Champions, die jemals in der LMS gespielt wurden. Elf Niederlagen am Stück”,

ERZÄHLTE CLEMENT MIT FREUDIGER STIMME ZU DER THEMATIK.

Noch immer setzen die Mid-Laner präferiert auf Poke-Champions. Diese Art der Championauswahl spielt den Schützen in die Karten, die häufig auf Sivir setzten. Durch ihr Zauberschild, ihrem recht starkem Waveclear und die Möglichkeit mit ihrer ultimativen Fähigkeit ihr Team ideale Eröffnungen oder Fluchtmöglichkeiten zu bieten, ist sie ein sehr starker Konter zu den meisten Poke-Champions.

Die Meta der Bot-Lane hat sich im Laufe der Saison immer wieder verändert. Zu Beginn des Saisonabschnitts war Urgot ein sehr populärer Champion auf der Rolle des ADC‘s. Er war auf dieser Rolle einer der wenigen Champions, die die Kombination aus Schütze und Tank mit sich brachte. Durch seinen mit Mana skalierendem Schild, war es Urgot Spielern möglich Kämpfe lange zu überleben. Dies spielt in den ausdauernden Teamkämpfen in der LMS eine wichtige Rolle. Überlebte die größte Schadensquelle, der Schütze, konnten Kämpfe deutlich einfacher für das eigene Team entschieden werden. Zudem brachte er mit seiner ultimativen Fähigkeit ein gutes Mittel zur Eröffnung von Kämpfen und die Möglichkeit einzelne Gegner aus dem Team herauszuziehen.

Inzwischen hat sich die Meta soweit verändert, dass Unterstützer sich nach Beendigung der Laning-Phase kaum noch gemeinsam mit ihrem ADC auf der Bot-Lane aufhalten. Häufig rotieren die Teams zu einer erweiterte Aufstellung, bei der der Top-Laner sich weiterhin auf der Top-Lane aufhält, um einen Splitpush zu initiieren und der Schütze auf der Bot-Lane dasselbe versucht. Sie erhöhen also den Druck auf das gegnerische Team, indem sie auf den seitlichen Lanes die Vasallen töten, um auf diesen Lanes möglichst viele Türme zerstören zu können. Während das eigene Team – bestehend aus dem Mid-Laner, dem Jungler und dem Support – in der Mid-Lane Objekte wie Türme oder den Drachen versuchen zu sichern. Diese Art des Metas führte dazu, dass immer mehr Schützen mit gutem Waveclear und zudem einer zuverlässigen Fluchtmöglichkeit in die Mode kamen. Corki zum Beispiel war eine beliebte Wahl. “Das sind ADC‘s die man alleine lässt. Ich glaube HongKong Esports hat diesen Stil viel gespielt. Egal wie viele Vasallen der eigene Schütze hinten liegt, der Supporter beginnt zu roamen.”, erklärt Clement.


Auch bei der Rolle der Unterstützer gibt es verschiedene Stile auf die sich die Teams verlassen. Zum einen werden Champions mit Fähigkeiten für eine gute Eröffnung im Kampf gespielt. Hierzu zählen zum Beispiel Alistar und auch Thresh. Diese ermöglichen es dem eigenen Team einen Kampf auf sicherem Weg zu initiieren.

Andere Support-Spieler setzten eher auf Champions, welche gute Möglichkeiten besitzen die Eröffnungen des gegnerischen Teams zu verhindern oder abzuwehren. Hierzu zählen zum Beispiel Janna oder auch Morgana. Diese Art von Unterstützer wird häufig in Kombination mit einigen Poke-Champions ausgewählt. Während die Poke-Champions auf weite Entfernung Schaden ausrichten können, versucht der Supporter Eröffnungen auf diese Champions zu verhindern.

“Ich denke einige der weiterunten platzierten Teams spielen häufig Supports mit guten Möglichkeiten zur Eröffnung von Kämpfen. Albis bleibt meistens auf der Bot-Lane. Er hat letzte Saison viel Leona gespielt. Das ist ein Weg Support zu spielen: Man bleibt auf der Lane, wartet auf die Teammitglieder, eröffnet den Kampf und tötet die gegnerische Bot-Lane.”, meint Kommentator Clement und bezieht sich auf den Support-Spieler Chia-Wei "Albis" Kang von ahq e-Sports Club.

Clement erläutert weiter: “Dann gibt es noch SwordArt. Er spielt viel mehr auf der ganzen Karte und versucht zu roamen. Nicht unbedingt für Tötungen, sondern oftmals auch um Sicht aufzubauen.”

Hu "SwordArt" Shuo-Jie ist Support-Spieler für yoe Flashwolves und hat sowohl mit Janna, als auch mit Morgana eine hundertprozentige Siegesrate zu verzeichnen.

So bauen die Teams der LMS häufig auf Champions, die sehr auf den Kampf im späteren Spielverlauf ausgerichtet sind. Diese Leidenschaft für Teamkämpfe in der Region ist auch ein Grund für die im Vergleich zu anderen Regionen eher hohe Anzahl an Tötungen pro Minute. Diese liegt mit 0,75 Tötungen in der Minute doch relativ deutlich über den 0,6 Tötungen jeder Minute in koreanischen Spielen der LCK. Somit kann man den Spielstil der LMS als schnell und abwechslungsreich bezeichnen.

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Toyz

Die einzelnen Teams

Innerhalb des für die LMS typischen Metas, gibt es noch einige Unterschiede zwischen den einzelnen Teams. An einigen Punkten unterscheiden sich die Spielweisen der Teams gravierend. Jedes Team findet den Stil, welcher am besten zu seinen Spielern passt und versucht die größten Erfolge zu erzielen. Das bedeutet jedoch auch, dass es nicht nur eines Teams mit individuell großartigen Fähigkeiten bedarf, sondern auch auf die Harmonie zwischen den einzelnen Spielern stark eingegangen werden muss. Dies ist sehr gut bei den Spitzenteams der Region zu erkennen.

Zhao-Hong "Mountain" Xue spielt im Dschungel für ahq e-Sports Club und ist bekannt dafür sehr robuste Champions im Dschungel zu spielen. Dies passt sich dem Stil von ahq an. Sie versuchen stets bereits im frühen Spielverlauf den Carry-Lanes, wie die Mid-Lane und dem ADC, einen Vorteil zu verschaffen, welchen sie dann bis ins spätere Spiel ausbauen können. Dies nennt sich das „Snowball-Prinzip“. Der Jungler schafft es durch einige Unterstützung der Lanes die wichtigsten Positionen im Team nach vorne zu bringen, sodass sie im späten Spielverlauf äußerst effektiv sind. Diesen Snowball-Effekt erreicht er, indem er bereits sehr früh in den gegnerischen Dschungel eindringt, um zum einen Sicht zu garantieren und zum anderen dort Gegner potenziell abfangen zu können. Anders als die meisten Teams der LMS ist ahq für sehr aggressive und riskante Spielzüge schon früh im Spiel. Während andere Teams sich eher voll und ganz auf ihre Stärke im späteren Spiel konzentrieren und die Laning-Phase eher vorsichtig angehen, beginnt ahq schon recht früh mit riskanten Aktionen, welche sich aber häufig auszahlen. Dieser Stil bietet sich für ahq weitestgehend auch an.

Der Mid-Laner des Teams Shu-Wei "westdoor" Liu ist äußerst bekannt für seine Assassinen-Champions. Hervorzuheben ist dabei, dass er mit Diana 100 Prozent der gespielten Spiele für sich und sein Team ahq e-Sports Club entscheiden konnte – was dem Team nicht zuletzt auch einen Platz in der diesjährigen Weltmeisterschaft gesichert hat. Anders als andere Mid-Laner der Region spielt er lieber Champions, die sich seinen Fähigkeiten anpassen, als solche, die sich der aktuellen Meta unterordnen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die sich in der LMS gern schon früh aggressiven Spielzügen hingeben. Flash Wolves sind bekannt dafür in der Liga häufig bereits auf Stufe 2 einen riskanten Überraschungsangriff auf die gegnerische Mid-Lane zu starten. Somit schaffen sie es, die dem gegnerischen Mid-Laner unheimlich schwer zu machen wieder zurück ins Spiel zu finden. Hierfür setzen sie anders als ahq allerdings auf einen eher offensiven Stil im Dschungel. Der Jungler bei Flash Wolves, Hao-Xuan "Karsa" Hong konzentriert sich anders als Mountain weniger auf das Eindringen in den gegnerischen Dschungel, um Sicht für sein Team zu garantieren, sondern setzt eher auf die Stärke seines Champions, um seine Lanes zu unterstützen und in späteren Kämpfen soliden Schaden ausrichten zu können.

Eine Besonderheit stellt auch die häufige Verwendung des Teleport Beschwörerzaubers für den Mid-Laner Kurtis "Toyz" Lau dar, welcher damit eine enorme Präsenz auf der gesamten Karte zeigen und häufig sehr früh schon für den Gegner unerwartet Kämpfe eröffnen kann. Nachteil dieser Strategie stellt sicherlich der Verlust eines auf der Lane nützlichen Beschwörerzaubers, wie zum Beispiel Heilen oder Entzünden, dar. Doch schon seit längerem ist Toyz nicht mehr der einzige Spieler, der auf die Teleport-Strategie setzt. Auch westdoor hat diese Eigenheit inzwischen an seinen Spielstil angepasst und kann so noch effektiver mit seinen präferierten Assassinen auf der ganzen Karte Tötungen für sein Team erzielen.

Denn auch auf der Bot-Lane setzt ahq gern darauf schon früh im Spiel Druck auf den Gegner auszuüben. Mit Champions wie Graves und Leona können sie schon auf Stufe 2 häufig sehr aggressive Taktiken auf der Lane fahren, um sich so einen Vorteil erarbeiten zu können.

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Auf der Bühne

Die Stärken und Schwächen der Region

In einem Interview gab Clement an, dass er die Chancen der Region bei der diesjährigen Weltmeisterschaft höher einschätze, als die der LCS Regionen Europa und Nordamerika. Er bezieht sich dabei sowohl auf die individuelle Stärke einzelner Spieler, wie zum Beispiel von Chun An "AN" Chou – ADC für ahq e-Sports Club - welcher nicht selten und über lange Zeiträume auf den oberen Plätzen der koreanischen Herausforderer-Liga zu finden ist. Als auch auf die Stärke der taiwanischen Teams als Einheit. Auffällig ist das Teams versuchen die Doppel-Teleport-Taktik auf der Bot-Lane zu erzwingen und dadurch sehr früh im Spiel schon wichtige Objekte für sich gewinnen können.

Schwachstellen vieler Teams der Region ist die äußerst begrenzte Anzahl an Champions, die die Spieler tatsächlich in kompetitiven Spielen auswählen. Da die Teams der LMS häufig darauf achten, dass ihre ausgewählten Champions in das aktuelle Meta des Spiels passen, ist oft sehr vorhersehbar welche Champions gespielt und welche gebannt werden. Dies können andere Teams, gerade international, gut zu Nutzen wissen.

Trumpfen können in diesen Punkten die Vorreiter der Region ahq e-Sports Club und Flash Wolves. Während die Spieler von ahq eine etwas ausgedehntere Auswahl an Champions in ihrem Repertoire haben als andere Teams und dadurch weniger leicht zu kontern sind, haben die Flash Wolves sich während der Playoffs auf ihre individuelle Stärke besinnt. Gleichzeitig haben siedarauf geachtet auch Champions zu wählen, die ihren Spielern technisch sehr gut liegen.

Als größte Konkurrenz sieht Kommentator Clement zum einen Fnatic aus der europäischen LCS, als auch SKTelekom T1 aus der koreanischen Liga. Doch als momentan stärkste Region empfindet er China. Das Team von Edward Gaming hat häufig Testspiele gegen das Team von ahq ausgerichtet und kennt die Spielweise der LMS nun von vorne bis hinten.

Ein Überblick

Die LMS ist eine bislang eher unbekannte Region auf dem Vormarsch, die man dieses Jahr definitiv nicht unterschätzen sollte. Schon während des Mid-Season Invitationals haben die Teams aus Taiwan gezeigt, dass sie durchaus fähig sind die großen und bekannten Regionen zum Straucheln zu bringen und mit Sicherheit keinen Sieg leichtfertig hergeben werden.

Der Spielstil der LMS ist deutlich reicher an Aktionen, gerade im späteren Spielverlauf, als andere Regionen. Mehr Kämpfe, mehr Tötungen und einiges an Spannung hat die taiwanische Liga ohne Zweifel zu bieten.

Die Region setzt grundsätzlich mehr darauf im Verlauf des Spiels häufig die aktuelle Stärke ihrer Champions zu testen. Es gibt nur wenige ruhige Minuten ohne einen Teamkampf in der LMS. Diesen Spielstil begünstigen hochklassige Spieler wie westdoor oder auch Toyz, welche ihre Strategien oder ihre gespielten Champions nicht an der allgemeinen Meta festmachen.