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Behind the Meta: LPL

Seit dem ersten Auftritt auf der internationalen Bühne im Jahr 2012 hat sich in der chinesischen League of Legends Szene viel getan. Bereits zweimal konnten Mannschaften aus dem Reich der Mitte bei Weltmeisterschaften das Siegerpodest erklimmen.

Obwohl sich die chinesischen Teams in beiden Finalen den koreanischen Platzhirschen letztendlich geschlagen geben mussten, bewiesen sie eindrucksvoll, dass mit ihnen immer zu rechnen ist. Auch in diesem Jahr stehen die Vorzeichen für die chinesische Region gut. Ihre drei Vertreter sind heiße Anwärter auf den Weltmeistertitel, der im Oktober in der Berliner Mercedes-Benz Arena ausgespielt wird. Wer die Reise in die deutsche Hauptstadt antreten darf, steht noch nicht endgültig fest. Ende August haben LGD Gaming ihr Flugticket als Einzige sicher in der Tasche. Die Erstplatzierten der LoL Pro League Sommer Saison sind sicher mit von der Partie. Um die beiden verbleibenden Plätze streiten sich vier weitere Teams in einem separaten Qualifizierungsturnier. Doch egal wer das begehrte Ticket nach Europa zieht: Eins ist sicher. Mit im Gepäck haben die chinesischen Mannschaften ihre ganz eigenen Spielstile und Strategien. Kurzum ihre eigene Meta.

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Die typische chinesische Aggression?

Wenn es eine Sache gibt, für die die chinesische Region weltweit respektiert und gefürchtet wird, ist das der aggressive Spielstil ihrer LoL Profis. Egal, ob ein Level Drei Towerdive auf der Bot-Lane oder ein explosiver Fünf gegen Fünf Teamkampf in der zehnten Minute, wenn sich die Gelegenheit für einen guten Ausgang bot, warfen die chinesischen Teams alles in die Waagschale, um zu gewinnen. Viele Begegnungen endeten in einem regelrechten Blutbad. Spiele mit weit über 30 Tötungen waren keine Seltenheit.

Doch seit einiger Zeit verliert die traditionelle offensive Herangehensweise an Popularität und macht einem sichereren und strukturierterem Stil Platz. Über und unnötig aggressive Aktionen gehören in der LPL zum Großteil der Vergangenheit an. Die Mannschaften der LoL Pro League orientieren sich jetzt mehr an der dominanten Nachbarregion Korea. Deren Einfluss auf die chinesische Meta hat spürbar zugenommen. Einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung lieferten die koreanischen Profis, die seit einiger Zeit in der LPL ihr Brot verdienen. Die Einführung des sehenden Steins und der Schmuckstücke in der dritten und vierten Saison hat außerdem weiter Schärfe aus dem chinesischen Spiel genommen. Die verbesserte Kartensicht verhindert ein zu kämpferisches Vorgehen und bestraft über engagierte Aktionen gnadenlos.

Trotz alledem zählt die Meta aus dem Reich der Mitte immer noch zu den aggressivsten der Welt. Besonders kleine Zwei gegen Zwei oder Drei gegen Drei Scharmützel sind bei den Profis äußerst beliebt und passieren sehr häufig. Im Vergleich zur europäischen LCS sind die Spiele durchschnittlich zwei bis drei Minuten kürzer, die Profis haben aber zwei Tötungen pro Spiel mehr auf ihrem Kerbholz.

League

Der Nexus ist beinahe zerstört

Für jede Situation den richtigen Champion

Die vor allem durch frühe und offensive Spielweise geprägte Meta spiegelt sich auch in den Auswahl- und Bannraten in der LPL Sommer Saison wieder. Hier dominieren Champions, die sowohl in kleinen Gruppenkämpfen, als auch in größeren Gefechten brillieren können.

Besonders ins Auge sticht dabei Kalista, die in jedem der 264 Spiele entweder gewählt oder aus der Kluft der Beschwörer verbannt wurde. Den massiven Schaden, den sie bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Spiel mit ihrer W-Fähigkeit Wachposten sowie ihrer E-Fähigkeit Reißen verursachen kann, macht sie in den Augen der chinesischen Profis zu einem perfekten Champion für kleinere Plänkeleien. Mit ihrer Passiven „Kriegerische Anmut“ sowie ihrer ultimativen Fähigkeit „Ruf des Schicksals“ besitzt sie genug Mobilität, um auch in Teamkämpfen ein spielentscheidender Faktor zu sein. Auch bei dem zweit populärsten Schützen in der chinesischen Meta gibt es fast keine Unterschiede zu westlichen Regionen. Der einzige AD-Carry, der auch nur annähernd an die Beliebtheit des Speers der Vergeltung herankommt, ist Sivir. Bei einer Gesamtanzahl von 264 Spielen in der Sommer Saison wurde die Kampfmeisterin 140 Mal mit ihrem Bumerang in die Kluft der Beschwörer geschickt. Die einzigartige Geschwindigkeitsverstärkung durch ihre ultimative Fähigkeit „Auf der Jagd“ nutzen die chinesischen Profi Spieler als Katalysator in entscheidenden Auseinandersetzungen, um den begehrten Sieg nach Hause zu holen.

Auf Seiten der Jungler stehen Gragas und die Königin der Leere Rek'Sai ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Beide Champions erlauben es, früh und effektiv Druck auf die verschiedenen Lanes auszuüben und dabei gleichzeitig den Drachen für das eigene Team zu sichern. Die starken Initierungsfähigkeiten durch Rek'Sais „Tunnel“ und „Ausgraben“, sowie der „Bauchrammer“ und das „Explosive Fass“ des alkoholisierten Unruhestifters, machen beide in den unterschiedlichsten Situationen zu einer guten und stets sicheren Option. Die Wahl der Mid-Laner orientiert sich stark an internationalen Standards. Azir und Viktor sind hier die mit Abstand gefragtesten Champions in der aktuellen Meta. Sicherheit durch eine möglichst große Reichweite in Kombination mit gutem Waveclear sowie einer starken Präsenz im Teamkampf, machen sie für die professionellen Mid-Laner zur idealen Wahl. Edward Gamings Mitte Spieler Won-seok “Pawn” Heo hat mit beiden Zauberern sehr starke Leistungen abgeliefert und musste mit Beiden noch keine Niederlage einstecken.

Beschützt den Hyper-Carry!

Die chinesische Region war schon immer als Talentschmiede für extrem begabte AD-Carries bekannt. Jian „Uzi“ Zihao vom Team OMG oder Zhu „NaMei“ Jiawen vom Team King galten und gelten immer noch als zwei der besten Schützen, die dieser Planet zu bieten hat. Seit dem letzten Jahr die koreanischen Importe Hyuk-kyu „Deft" Kim und Seung-bin “Imp" Gu zur Riege der chinesischen Top-Schützen hinzugestoßen sind, ist die Qualität innerhalb der Region nochmals immens gestiegen.

Trotz der relativ kurzen durchschnittlichen Spielzeit sind besonders Schützen, die sehr stark in das Late-Game skalieren, sogenannte Hyper-Carries, bei den Profis sehr beliebt. In den richtigen Händen kann ein solcher Schütze absolut tödlich sein. In vielen Spielen der LoL Pro League rückt der Schütze deshalb in den Mittelpunkt des Spielgeschehens. Die chinesischen Mannschaften konstruieren ihre gesamte Teamkomposition nur darum ihren Schützen optimal zu beschützen und ihm einen maximalen Schadensausstoß zu sichern. Ein besonders effektiver Champion in dieser Meta ist dafür die Feenmagierin Lulu, die Hyper-Carries wie Vayne oder Kog'Maw durch ihre Schilde und Massenkontrolleffekte nahezu perfekt von den Gegner abschirmen kann. Besonders oft und effektiv setzen diese Kombination der Mid-Laner und Schütze der Qiao Gu Reapers ein. Yu "TnT" Ruis Vayne unterstützt durch Tae-sang "DoinB" Kims Mid-Lane Lulu oder Orianna, schaffte es in über 70 Prozent der Spiele, diese für sich zu entscheiden. Vor allem die unterstützenden Fähigkeiten der lilanen Yordlezaubererin wie ihre ultimativen Fähigkeit „Wildwuchs“ sowie der verstärkte Schaden durch ihren kleinen Begleiter Pix, machen sie zu einer optimalen Partnerin für die fragile Nachtjägerin, während sie sich durch die Gegend rollend, einen Gegner nach dem anderen vorknöpft.

Crowd

Menschenmassen schauen League

Chancen bei den Weltmeisterschaften

Neben den koreanischen Mannschaften zählten die chinesischen Teams in den letzten Jahren immer zu den Topfavoriten auf den Weltmeistertitel. Dieses Jahr stehen die Chancen auf einen Sieger aus dem Reich der Mitte allerdings so aussichtsreich wie noch nie zuvor. Vor allem die Verbindung aus dem traditionellen, aggressiven Spielstil und der neuen koreanischen Effizienz, die die importierten Spieler aus der Nachbarregion mit nach China gebracht haben, hat eine enorm starke Region geschaffen, mit der zu rechnen ist.

Auch die Unerfahrenheit vieler chinesischer Spieler auf der internationalen Bühne wird durch die koreanischen Profis wie LDG Gamings Schütze Imp oder Edward Gamings Mid-Laner Pawn, die beide bereits den Titel eines Weltmeisters tragen, kompensiert. Doch die größte Stärke der chinesischen Mannschaften könnte sich auch als ihre größte Schwäche offenbaren. Ihre konstante aktive Herangehensweise ist immer noch ein erhebliches Risiko und ermöglicht es Gegnern bereits aus kleinsten Fehlern gnadenlos Kapital zu schlagen. Wie man es richtig macht, zeigten bei den letzten beiden Finalen SK Telecom T1 und Samsung White, die ihren chinesischen Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance ließen.

Nach zwei Silbertreppchen, sind die chinesischen Teams so hungrig wie noch nie zuvor den Weltmeistertitel nach Hause zu holen. Wo die letzten beiden Mannschaften auf der Zielgeraden scheiterten, wollen sie jetzt den Sieg davontragen. Wer den Pokal letzten Endes jedoch in den Händen halten darf, wird sich erst im Oktober entscheiden. Eins ist jedoch sicher, für einen chinesischen Sieger wäre die Zeit reif.