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Die Streiter Koreas: SKT, KOO und KTR

Auch dieses Jahr schickt die koreanische Region drei Mannschaften in das internationale Titelrennen. Mit von der Partie sind der Weltmeister 2013 SKTelecom T1 und zwei Organisationen, welche zum ersten Mal an diesem prestigeträchtigem Turnier teilnehmen: KOO Tigers, vormals unter GE Tigers bekannt, und KT Rolster.

Sie haben sich unter ihrer harten Konkurrenz durchgesetzt und besitzen nun die Möglichkeit, ihr Können auch auf der ganz großen Bühne unter Beweis zu stellen und ihre Region bestmöglich zu repräsentieren.

 

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Ungewissheit

SKTelecom T1

Mit dem Sieg der koreanischen Liga erhielte der einstige Weltmeister den ersten Seed für Korea. Nun sind sie wieder da, um sich den Thron zurückzuerobern. Jedoch sind aus dem SKT T1 K-Kader nur noch Seong-Woong "Bengi" Bae und der sagenumwobene Sang-hyuk "Faker" Lee übrig geblieben. Die Lücken wurden von den Spielern des ehemaligen Schwesterteams SKT T1 S gefüllt: In der Top-Lane steht der Teamkapitän Kyung-hwan "Marin" Jang, sowie Jun-sik "Bang" Bae und Jae-wan "Wolf" Lee, die die Bot-Lane unsicher machen. Als Auswechselspieler steht der Kontroll-Magier-Spieler Ji-hoon “EasyHoon” Lee bereit.

Nach wie vor ist die Mannschaft von Coach Jung-kyun “kkOma” Kim ein sehr passiv agierendes Team. Die ersten Minuten werden oft durch ausgeklügelte Taktik in Lane-Swaps ausgezeichnet, welche auf die Erringung von frühen Vorsprüngen abzielt. Während in der Mid-Lane Faker mit seinem enorm aggressiven Stil seinen Gegner unter Druck setzt, nutzen Bengi und Wolf diese Freiheit aus und verschaffen sich im feindlichen Gebiet Sicht. Diese erlaubt es dem ganzen Team schneller auf verschiedene Situationen wie kleine Scharmützel zu reagieren und dem Gegner somit stets einen Schritt voraus zu sein.

Sobald vom äußeren Ring der Türme nur noch Ruinen übrig bleiben, fängt der SKT-Motor an richtig aufzudrehen. Bengi und Wolf sichern sich die Kontrolle um ihr nächstes Ziel und ehe man sich versieht, stehen bis zu vier Spieler vor dem eigenen inneren Turm und klopfen fleißig an der Fassade  oder machen sich am Drachen ran. In diesem Prozess kann man ein unglaublich hohes Maß an Koordination und kluges Makrospiel beobachten, welche dem Gegner meist mit einem leeren Teller zurücklässt.

Doch muss Faker doch gegenüber dem Jungler immens verwundbar sein, wenn er doch so aggressiv spielt? Nein, Bengi spielt um den Superstar herum und lässt den Spielmacher tun was er will. Denn kaum ein Mid-Laner kann es mit Faker aufnehmen. Wenn es jemand doch schafft, ihn in einem Duell zu töten, gilt dies als große Errungenschaft. Welcher andere Spieler kann das schon von sich behaupten? Es scheint, als wäre SKT T1 ohne ein Manko und zurecht das beste koreanische Team, doch es gibt eine Sache: Die Mannschaft gewinnt ihre Spiele durch außerordentlich gute Objective-Kontrolle und dem einhergehenden Goldvorteil. Wenn man es jedoch schafft, ebenbürtig mitzuziehen steht SKT ein wenig in der Bredouille, da sie relativ schlecht Gruppenkämpfe angehen. Die Technik ist fast einzig und allein auf Faker konzentriert, während andere Teams zwei oder drei solcher Spieler besitzen und somit eine größere Finesse in den 5-gegen-5-Kämpfen haben. Trotzdem muss man erstmal zu diesem Punkt kommen, um ein Licht am Ende des Tunnels zu erblicken.

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Modische Mannschaftskleidung am Start

KOO Tigers

Im Frühling war die Mannschaft aus vier ehemaligen Najin e-mFire-Spielern und Top-Lane-Star Kyung-ho "Smeb" Song noch unter dem Namen „GE Tigers“ bekannt. Im Jungle laufen die beiden Jungler Ho-jin "Hojin" Lee und Ersatzspieler Tae-wan „Wisdom“ Kim umher. Die Position in der Mitte besetzt Seo-haeng "KurO" Lee und in der Bot-Lane spielen der altbewehrte Schütze Jong-in "PraY" Kim und Support Beom-Hyeon "GorillA" Kang. Mit dem zweiten Platz im Spring Split, nach einer dominanten Saison und der dritten Platz diesen Sommers, haben die Tigers die meisten Championship Punkte nach SKT akkumuliert und sich somit den zweiten Seed Koreas für die Weltmeisterschaft ergattert.

Der Spielstil von KOO Tigers ähnelt der dem von SKTelecoms T1: Ein passives frühes Spiel mit großem Wert auf Kontrolle und das anschließende Niederreißen von Türmen oder Töten des Drachen. Ihr Spielmacherpotenzial sitzt jedoch nicht in der Mitte, sondern in der Top-Lane. Smeb ist ein technisch versierter Spieler, welcher sich einen großen Teil der Ressourcen im Team für sich beansprucht. Ist er stark genug, baut er seinen Vorteil immer weiter aus und gewinnt die Teamkämpfe für seine Kameraden. Bis es dazu kommt, zeichnet sich die Mannschaft dadurch aus, ein herausragendes Spielverständnis zu besitzen.

Die Kontrolle über Vasallenwellen ist eines ihrer Stärken und zwingen die Gegner immer zu einem Dilemma: Entweder wird ein hohes Risiko eingegangen und es wird um einen Turm oder Drachen gekämpft und die zwölf Vasallen in der Bot-Lane zerstören den eigenen Turm oder jemand rettet diesen und das andere Ziel muss aufgegeben werden. Wird sich für ersteres entschieden, muss auch hier mit Bedacht herangegangen werden. GorillA ist nicht nur wegen seines Makrospiels bekannt, sondern auch für seinen Umgang mit Thresh und Janna. PraY und KurO besitzen über eine solide Positionierung und Smeb ist derjenige, der die Manöver aus der Tasche holt und die Kinnlade jeden Zuschauers herunterklappen lässt.

Zu dem bereits angepriesenen Kontrollspiel kommt noch die Fähigkeit dazu außerordentlich gut mit Defiziten umzugehen. Eben durch die beschriebene Vasallenkontrolle verlangsamen die Tigers den Gegner und verschaffen sich Zeit und Gelegenheiten zurück ins Spiel zu kommen. Es ist schon fast eine Gewohnheit, das Team von Coach No-chul „NoFe“ Jeong dabei zu sehen, wie sie sich von einem 6000-Golddefizit ihren nach oben bahnen und letztendlich vor der Gegnerbasis stehen. Das ist jedoch wiederum genau die Schwäche dieses Teams. Regelmäßig schaffen es die KOO Tigers in der frühen Phase des Spiels in solche nachteiligen Situationen zu fallen, da sie weder an die Strategie SKTelecoms herankommen, noch über die technisch besten Spieler verfügt. Wird die Führung der Gegner zu groß, ist es schlichtweg einfach unmöglich sich aus dem Loch herauszugraben.

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Hochkonzentriert am spielen

KT Rolster

Das Qualifikationsturnier für den dritten Seed gewann das Team aus Veteranen um den anderen koreanischen Star-Top-Laner Chan-ho "ssumday" Kim. Sie verloren das Sommerfinale gegen SKTelecom T1 und gewannen schließlich in der letzten Runde des Gauntlets gegen Jin Air Greenwings. Aus dem Jungle übt der ehemalige Schütze Dong-bin "Score" Go und sein Support-Partner Jong-Beom "Piccaboo" Lee hohen Druck auf ihre Gegenspieler aus. Die Carry-Rollen besetzen Mid-Laner Sang-moon "Nagne" Kim und Schütze Dong-hyeon "Arrow" No.

Nicht nur die ehemaligen Spieler KT Rolster Arrows ssumday und Arrow sind in dem in 2015 neu formierten Team zurückgeblieben, sondern auch der Geist dessen. KT Rolster ist eine Mannschaft, die die ersten fünfzehn Minuten dem Gegner klar macht, wer das Alphatier in der Kluft ist. Die Aggression des Jungle/Support-Duos ist in Korea unanfechtbar. Sie nutzen die Mechanik der Lane-Swaps oder die Eingeschränktheit des gegnerischen Top-Laners aus und stürmen den feindlichen Jungle, um dort den opponierenden Jungler zu finden und zu schikanieren. Selbst die besten Jungler Koreas finden sich oft in der Situation wieder,  frustriert die Kontrolle über eine ganze Hälfte der Karte aufgeben zu müssen und anschließend sich anderswo ihre Ressourcen zusammenkratzen zu müssen. Währenddessen halten sich Nagne und Arrow ihren Gegenstücken gegenüber ebenbürtig und erfüllen ihre Rolle in Teamkämpfen stets verlässlich. Jedoch neigt Nagne auch mal dazu, eigene Spielzüge durchzuziehen und seine Gegner mit einem grauen Bildschirm zu überraschen, vor allem wenn er seine Hand an Azir oder LeBlanc anlegen kann.

Achtung: Genauer hinschauen!

Wenn ihr einem KT-Spiel zuseht, konzentriert euch auf ssumday, denn er ist einer der drei Top-Lane-Riesen Koreas, bestehend aus Kyung-ho "Smeb" Song, Hosung "Duke" Lee und ihm selbst. Reicht ssumday den kleinen Finger und er nimmt sich den ganzen Arm. Das furchterregendere ist, dass er nicht mehr loslassen wird. Riven ist eines seiner beliebten Champions, da er mit ihr über den Rest des Spielverlaufs offensiv bleiben kann, sobald er über den Vorsprung verfügt. Sein bekanntester Champion ist aber Maokai, womit er seine Gegner immer und immer wieder erfolgreich flankiert und so die weichen Ziele eliminiert, bevor der Kampf überhaupt richtig angefangen hat.

Der andere Spielmacher KTs ist Piccaboo. Der einstige SKT-Spieler ist unvorhersehbar: Wenn er sich in den ersten drei Minuten nicht blicken lässt und auf einmal mit Stufe 2 in der Mid-Lane auftaucht, ist das Spiel für Nagnes Gegner schon oft gelaufen. Ist der Mid-Laner nun tot, sind auch die anderen dran, denn keiner auf der gesamten Karte ist sicher vor dem Support, der den „roamenden“, also umherwandernden, Supportstil erfand. Arrow sitzt mit einem Champion wie Corki, Ashe oder Sivir in der Lane und farmt vor sich hin, während Piccaboo auf geheimer Mission ist. Begleitet wird er zum größten Teil von Score, welcher seine Erfahrung nutzt, um die Pfade der Gegner vorherzusagen und um diese herum zu spielen.

KT Rolster ist aber auch nicht nur in der frühen Phase ausgezeichnet, sondern haben auch bewiesen, dass sie auch im weiteren Verlauf über gute Koordination verfügen. Sie haben nicht wirklich eine herausstechende Schwäche, doch sind sie immer noch nicht unverwundbar. Es wurde von vielen erwartet, dass KT im Finale gegen SKT gewinnen würde, doch SKT hat gezeigt, dass mit ausreichender Vorbereitung eine solche Mannschaft in die Knie gezwungen werden kann.

Es klingt banal, doch um KT Rolster zu besiegen, muss man die bessere Technik und Makrospiel besitzen, doch das ist für die internationale Konkurrenz nicht unmöglich, da KT auch gezeigt hat, dass ihre Leistung nicht immer konstant ist, sondern auch hier und da mal schlechter als erwartet spielen.