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Die Vielfalt des Dschungels

Vor etwa einem Jahr standen Assassinen im Dschungel hoch im Kurs. Lee Sin, Kha‘Zix, Elise und dank chinesischem Einfluss sogar Rengar, gehörten zu den meist gewählten Junglern des Turniers.

Während der blinde Mönch es damals auf eine stattliche Pick-Bann-Rate von über 90% gebracht hat, wurde der stolze Jäger immerhin jedes dritte Spiel gewählt oder gebannt, was bei der Spinnenkönigin jedes vierte der Fall war.  Schaut man ein Jahr später auf die Solo Queue, könnte man meinen, es habe sich nicht viel geändert. Die genannten Champions erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit und werden in hohen, wie auch in niedrigen Rängen, mit großer Effektivität gespielt.

Doch wie sieht es in der kompetitiven Szene aus? Die Weltmeisterschaft 2015 haben uns bis hierhin bereits mindestens zwei Dinge gelehrt: Die Vielfalt an Junglern hat im Vergleich zum letzten Jahr deutlich zugenommen und was in der Solo Queue gut ist, muss im Team noch lange nicht funktionieren.

Elise

Elise im Jungle

Die Königin des Dschungels

Ein Champion, der bei der Betrachtung aller Jungle-Picks sofort ins Auge fällt, ist Elise. In der ersten Woche der Gruppenphase hatte die Spinnenkönigin eine unglaubliche 100% Pick-Bann-Rate zu verzeichnen. Mit neun Siegen und nur sechs Niederlagen konnte sie ihre Stärke durch eine 60% Siegesrate zeigen.

In der zweiten Woche wurde die Spinnenkönigin weitere 15 Mal gewählt und konnte weitere zehn Siege für sich verbuchen. Zusammen mit 17 Banns über die gesamte Gruppenphase hinweg, ergibt dies eine Gesamt-Rate von 95,9 Prozent. Nur Mordekaiser und Gangplank konnten dies mit 98 bzw. 100% noch toppen.

Gemeinsam mit Darius gehört sie mit 38 Wahlen zu den mit Abstand am meisten gewählten Champions. Abgesehen davon ist Elises Gift bereits die Ursache für 93 Ableben gewesen, was sie bis hierhin zum viert-tödlichsten Champion dieses Turniers macht.

Diese starken Werte zeigen, dass Elise innerhalb eines Jahres von einem lediglich beliebten Pick, nicht nur zur unangefochtenen Königin der Spinnen, sondern auch des Dschungels geworden ist.

Man soll nicht reparieren, was nicht kaputt ist..

Diejenigen, welche regelmäßig die LCS verfolgt haben, dürfte das nächste Duo in der folgenden Liste nicht überraschen: Rek'Sai und Gragas. Auch wenn Elise besonders durch ihre Buffs in Patch v5.14 ein beliebter Pick in der professionellen Liga war, sind es diese zwei, die bereits über viele Patches hinweg die Herzen der Jungler erobert haben und schon entsprechend lange konstant die Champions ihrer Wahl sind.

Auch bei der Weltmeisterschaft scheint sich dies nicht zu ändern. Die Leerenwühlerin verzeichnet eine Pick-Bann-Rate von 75% und ist damit noch vor Kalista, der beliebtesten Schützin der Weltmeisterschaft.

Gragas war mit 4 Banns und 29 Picks immerhin in der Hälfte aller Spiele zu sehen.

Frei nach dem Motto „Man soll nicht reparieren, was nicht kaputt ist“ scheint also das, was in der Liga gut funktioniert hat, auch bei der Weltmeisterschaft beliebt zu sein. Hierbei ist interessant, dass sowohl Rek'Sai, als auch Gragas von den meisten Teams als widerstandsfähige Tanks gespielt werden, obwohl sie durchaus hohes Schadenspotenzial mitbringen.

Hier sieht man eine klare Veränderung im Meta von League of Legends. Während 2014 die drei meist gewählten Jungler des Turniers Assassinen waren, die den Fokus auf Ganks legten, sind es nun hauptsächlich Champions mit hohen Widerstandswerten und Kontrollfähigkeiten, die zwar nicht minder aggressiv, aber doch vornehmlich unterstützend in das Geschehen eingreifen.

Und die Assassinen?

Das bisher Gesagte bedeutet jedoch nicht, dass Assassinen komplett ausgestorben sind. Allen voran werden sie von niemand anderem vertreten als Lee Sin, dem ehemaligen König des Dschungels. Der blinde Mönch wurde 26 Mal entweder gewählt oder ganz aus dem Spiel genommen. Das sind immerhin 38 % aller möglichen Einsätze. Zudem hat er mit 32 Tötungen, 44 Toden und stolzen 114 Unterstützungen die vierthöchste KDA aller Jungler.

Diese Werte zeigen, dass Assassinen auch auf dem gegenwärtigen Stand des Spiels noch effektiv sein können aber auch, dass es selbst für sie eher darum geht, ihre Lanes nach vorne zu bringen, als selbst Gold anzuhäufen.

Bis auf den Blinden haben jedoch nur wenige Assassinen in diesem Turnier bisher den Dschungel der Kluft betreten. Besonders Rengar, welcher sehr vom eigenen Erfolg abhängt und weniger darauf setzt, seinen Teammitgliedern Tötungen zu ermöglichen, sah in seinen bisherigen beiden Einsätzen keinen Sieg.

Auch die in der regulären Saison durchaus populäre Evelynn konnte bisher lediglich vier Spiele bestreiten und nur einen Sieg davon tragen.

Der Grund dafür könnte sein, dass kürzlich Veränderungen im Spiel, besonders die Überarbeitung von Fiora mit Patch v5.15 und die Juggernauts, dafür gesorgt haben, dass immer mehr schadensorientierte Top-Laner gespielt werden. Dies bedeutet, dass die Rolle des Tanks im Team vornehmlich vom Jungler übernommen werden muss. Geschieht dies nicht, macht sich das Fehlen eines solchen in Teamkämpfen deutlich bemerkbar.

Im Halbfinale zwischen SKT T1 und Origen zeigte jedoch der europäische Jungler Amazing, dass Lee Sin durchaus auch im momentanen Meta eine beachtenswerte Bedrohung darstellen kann.

Lee Sin

Insec wurde berühmt durch Lee Sin

Bekannte Außenseiter

Die bisher genannten Jungler sind alle für ihre Rolle bekannt und werden dort mehr oder weniger regelmäßig gespielt. Es gibt jedoch auch Champions, die hauptsächlich in einer anderen Rolle eingesetzt werden, aber flexibel sind und gelegentlich ihren Weg in den Dschungel der Kluft finden. 

Ein eindrückliches Beispiel dafür ist Nidalee. Auch wenn die Tatsache, dass sie sich in einen Puma verwandeln kann, nahelegt, dass sie sich im Dschungel wohlfühlt, wurde sie historisch betrachtet meistens in der Mid- oder Top-Lane eingesetzt.

Obgleich sie nach wie vor eine eher exotische Wahl auf der internationalen Bühne ist, konnte sie als solche überzeugen und war in der Lage, ihre drei Einsätze siegreich zu gestalten. IGs KAKAO etwa konnte im zweiten Spiel gegen Cloud9 mit ihr den Dschungel dominieren und sogar einen Baron-Buff stehlen!

Mit ihrer 100%-Win-Rate zeigt uns die Jägerin eindrucksvoll, dass auch Jungler, die weniger oft gespielt werden, auf hohem kompetitiven Niveau eine gute Figur machen können. Darüber hinaus ist sie ein weiteres Beispiel dafür, dass auch im gegenwärtigen Meta noch schadensorientiertere Jungler gespielt werden können, solange die dann fehlenden Kontrollfähigkeiten sowie Resistenz vom Rest des Teams ausgeglichen wird.

Zu ihr gesellt sich eines der Allround-Talente dieses Turniers: Olaf. Der Wikinger wurde immerhin in jedem fünften Spiel gewählt oder gebannt. Dabei ist er bereits auf der Top-Lane, im Dschungel und sogar in der Mid-Lane eingesetzt worden.

Jedoch ist seine allgemeine Win-Rate mit 40% nicht besonders eindrucksvoll und auch als Jungler konnte er nicht überzeugen. Im Gegensatz zu Nidalee ist er damit leider ein Beispiel dafür, dass ungewöhnliche Picks, auch wenn sie keinesfalls schlecht sind, nicht immer funktionieren.

Die Meisterschaft der Vielfalt
Dennoch können wir von Olaf, wie auch von Nidalee etwas lernen: Champions können auf viele verschiedene Arten gespielt und mit Gegenständen ausgestattet werden, sodass sie plötzlich viel flexibler eingesetzt werden können als man zunächst glauben mag.

Überhaupt ist die diesjährige Weltmeisterschaft die Meisterschaft der Vielfalt. Mit 74 Champions kamen bereits mehr einzigartige Picks zum Einsatz als im gesamten Turnier des letzten Jahres. Allein im Dschungel sind es 15. Eine ungewöhnlich hohe Zahl für diese Rolle.

Dies liegt nicht nur daran, dass stetig neue Auswahlmöglichkeiten hinzukommen, sondern auch alte ihr Comeback feiern.

Es gibt mittlerweile kaum einen Champion, der als nicht spielbar gilt und somit gewinnt League of Legends immer weiter an Vielfalt hinzu.