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Enttäuschende Leistung Chinas

Von den höchsten Erwartungen zur herben Enttäuschung. Treffender lässt sich das Abschneiden der chinesischen Teams in der Gruppenphase nicht beschreiben.

Vor der Weltmeisterschaft waren alle drei Mannschaften aus dem Reich der Mitte nicht nur von den eigenen Fans, sondern auch von den internationalen Experten in den Himmel gelobt worden. Sie galten als Topanwärter auf den diesjährigen Titel. Was am Ende der Gruppenphase bleibt, ist Edward Gaming als einzige chinesische Mannschaft in der K.O.-Runde und jede Menge schmerzhafte Ernüchterung.

Invictus

Invictus kann über sich selbst lachen

Totalausfall in Gruppe B und D

Gleich das erste Spiel des gesamten Turniers gab den chinesischen Anhängern bereits einen bitteren Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Die chinesische Nummer Drei Invictus Gaming bekam es mit dem europäischen Spitzenteam Fnatic zu tun. Das Aufeinandertreffen beider Mannschaften versprach eine spannende Begegnung auf Augenhöhe zu werden.

Während auf der Dschungel Position iGs Byungkwon "Kakao" Lee die Nase vorn zu haben schien, wurde das Schützen-Unterstützer Duo von Fnatic als wesentlich stärker eingeschätzt. Bereits nach wenigen Minuten und einigen starken Ganks von Fnatics Jungler Yeujin "Reignover" Kim wendete sich das Blatt zu Gunsten des europäischen Teams. Vor allem Invictus Gamings Bot-Lane Ge "Kid" Yan und Liu "Kitties" Hong-Jun erwischten einen rabenschwarzen Tag und kamen überhaupt nicht ins Spiel. IG gab die Partie in der 22. Minute für verloren, ohne Fnatic auch nur einen einzigen Turm abgeknöpft zu haben. Ähnlich düster sahen die Resultate von Invictus Gaming in den weiteren Spielen aus. Vor allem die Bot-Lane konnte der internationalen Konkurrenz nicht das Geringste entgegenhalten.

Keinen Deut besser, nein, noch weitaus schlechter erging es LGD Gaming in Gruppe D. Nach einer knappen Niederlage gegen Europas Origen in ihrem ersten Spiel des Turniers schienen sie komplett den Faden verloren zu haben und spielten nur noch wie Geister ihrer selbst. Mit drei Niederlagen am Stück beendeten sie ihre erste desaströse Woche. Die vorzeitige Heimreise war zu diesem Zeitpunkt schon eine sichere Sache. LGDs finales Aufbäumen in der zweiten Woche der Gruppenphase war nur noch  eine kosmetische Maßnahme und bewahrte sie vor einer kompletten Blamage auf der internationalen Bühne. Immerhin hielt Edward Gaming in Gruppe C die Fahne für das Reich der Mitte hoch. Auch wenn hier der chinesische Drache wieder kein Feuer speite, mit vier Siegen und dem zweiten Platz kam er wenigsten in das Viertelfinale Gegen die koreanische Konkurrenten von SK Telecom T1, die EDG beim Mid Season Invitational noch bezwingen konnte, hagelte es aber zwei saftige Niederlagen.

Immer einen Schritt hinterher

Die momentan wahrscheinlich größte Schwäche der chinesischen Mannschaften offenbarte sich schon vor den ersten Spielminuten. Bei jeder verlorenen Begegnung schienen die Chinesen dem Westen in der Auswahlphase einen Schritt oder einen ganzen Patch hinterherzuhinken.


Gegen die Taktik der westlichen Teams einen starken „Carry-Toplaner“ mit einem „Waveclear-Schützen“ wie Sivir oder Tristana und einem starken Early-Game Jungler wie Elise oder Rek'Sai zu kombinieren, um so schnell und effektiv die Türme des Gegners abzureißen, fanden weder Spieler noch Trainer oder die Analysten von LGD und iG in der ersten Woche ein probates Gegenmittel.

Anstatt eine Schwachstelle des Gegners  auszunutzen oder andere effektive Strategien auf dem aktuellen Patch zu finden, verließen sich beide chinesischen Vertreter beinahe blind auf die wohl bekannteste und wie sich bald herauskristallisierte, trügerische Stärke ihrer Region: Dem explosiven Fünf gegen Fünf Teamkampf. Doch dazu ließen es die westlichen Kontrahenten gar nicht erst kommen. Origen genauso wie Fnatic vermieden einfach durch strategische Manöver auf beiden Solo-Lanern den direkten Schlagabtausch mit LGD und Invictus Gaming und fuhren durch effektive Objektkontrolle und kluge Kartenrotationen wichtige Vorteile ein und schlussendlich den Sieg nach Hause.

Worlds stage

Worlds Bühne

Erfahrung über alles

In noch keiner Weltmeisterschaft  stand das teamorientierte Spiel so im Mittelpunkt wie in diesem Jahr. Mannschaften mit einer ausgetüftelten Taktik und einer passend gewählten Championkomposition triumphierten in fast jeder Partie über ihre Gegner, die mehr durch individuelle Stärke und Mechaniken auftrumpfen wollten. Diese Tatsache trifft die Mannschaften der LoL Pro League, eine Liga, die sich schon immer mit mechanisch extrem begabten Spielern brüstete, besonders hart.

In denen in China so beliebten frühen Kämpfen um den Drachen oder in kleineren Scharmützeln im Dschungel konnten die Spieler aus dem Reich der Mitte mit ihrem individuellen Können brillieren und  den  Ausgang der Begegnung für sich entscheiden. Gegen Teams aus dem Westen nutzte ihnen diese Spielweise bislang jedoch herzlich wenig. Anstatt sich auf frühe Kämpfe einzulassen und den chinesischen Mannschaften so in die Karten zu spielen, tauschten Mannschaften aus dem Westen ihre Bot- und Top-Lane aus und waren gern bereit, den ersten Drachen kampflos herzugeben, um so einen Erfahrungs-und Goldvorteil für ihren Top-Laner herauszuschlagen. Durch diese Strategie erhält die Top-Lane urplötzlich Schlagseite. In einem Eins gegen Eins ist der Top-Laner mit mehr Erfahrung deutlich stärker und kann seinen Vorteil weiter ausbauen. Mit einem weiteren Teleport auf dem Mid-Laner abgesichert, kann der Top-Laner nun mit seinem Teleport die Bot-Lane zu Gunsten seines Teams beeinflussen und so die Partie in trockene Tücher bringen.