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Europa träumt weiter

Die europäischen Teams wurden im Halbfinale in ihre Schranken verwiesen, aber haben dem Westen durch ihre unglaublichen Erfolge Hoffnung gemacht.

Niemand hat zu Beginn der Weltmeisterschaft damit gerechnet, dass gleich zwei europäische Teams so viel erreichen werden. Auch wenn Fnatics Siegesserie international für Aufsehen gesorgt hat, zweifelten viele daran, ob sich dieses Newcomer Team gegen die etablierten und starken östlichen Mannschaften beweisen würde. Ebenso kam niemanden in den Sinn, dass ausgerechnet Origen, welche erst seit dem Summer Split in der EU LCS mitmischten, die harte Gruppenphase überstehen. Aber in dieser Weltmeisterschaft kam alles anders: Mit EDG schied im Viertelfinale das letzte chinesische Team, eine Region die viele als Favoriten sahen, aus und sowohl Origen als auch Fnatic kämpften bis zum bitteren Ende im Halbfinale gegen Mannschaften aus aller Welt.

SK vs Origin

SK vs Origin

Europa - Region mit dem etwas eigenem Stil

Die Erfolge der europäischen Region sind vor allem dem Spielstil zuzuschreiben, der sich im Laufe der EU LCS innerhalb der Teams entwickelt hat und sich teilweise drastisch von anderen Regionen unterscheidet. Natürlich liebt man es als Zuschauer, wenn die Profis sich duellieren und ihre Solo-Kills in der Lane verdienen. Man wird verrückt, wenn explosive Teamkämpfe ausbrechen, die eher an ein aus der Kontrolle geratenes Feuerwerk, als an ein mühsam im Detail ausgeplantes Schachspiel erinnern. Aber genauer ins Detail zu gehen ist mühsam und anstrengend. Dennoch ist es wichtig, um zu verstehen, wieso Europa durch ihre neuen und innovativen Spielzüge solch große Erfolge bei der Weltmeisterschaft feiern konnten.

Einer der Besonderheiten ist der europäische Lane-Swap:

Durch den Lane-Swap konnten europäische Teams sich stets Vorteile erspielen. Mit ihm kann man zum einen eine schlechte Laningphase umgehen und zum anderen ermöglicht ein gut ausgeführter Lane-Swap schon im frühen Spiel Türme zu zerstören, da man auf einer Lane in der Überzahl spielt. Wo aber der Lane-Swap in der Gruppenphase noch häufig angewandt wurde, sah man ihn in der K.O Phase eher selten - hier wählten europäische Teams traditionelle Aufstellungen, in denen Spieler im Kopf-an-Kopf Kampf um die Dominanz auf der Lane kämpften, statt schon im frühen Spiel den Spielplan der östlichen Teams durcheinander zu bringen. So spielte man diesen Teams direkt in die Hand, da sie solche Begegnungen bereits in ihren Ligen gemeistert haben. Ist es also besser, seinen eigenen Stil zu entwickeln und ihn zu verbessern oder doch mit der Masse zu laufen und sich anzupassen?

Fnatic vs Koo Tigers

Fnatic vs Koo Tigers

In Korea werden Weltmeister geboren
Obwohl der europäische Spielstil bei der Weltmeisterschaft beeindrucken konnte, gerieten die westlichen Regionen zuvor unter Kritik. In einer Folge der Youtube Serie „Summoning Insight“ wurde folgende Aussage getroffen:

“Wenn ihr Weltmeister werden wollt, müsst ihr nach Korea”

CHRISTOPHER "MONTECRISTO" MYKLES

Er setzt fort: “Wie soll ein Team Weltmeister werden, wenn es nicht mit den besten der Welt trainiert? Wenn sie nicht Tag ein, Tag aus in der selben Umgebung spielen, die bereits zwei Weltmeister hervorgebracht hat?”

Damit schneidet MonteCristo ein kritisches Thema an, denn die Unterschiede zwischen den Regionen fielen besonders im Halbfinale auf, welches im Best-of-Five Format stattfand. Während Europa in jeder Woche ein Best-of-One spielt, in dem jedes Team pro Spieltag ein Match bestreitet, finden alle Begegnungen in Korea im Best-of-Three Format statt. Dies gibt den koreanischen Teams den Vorteil in einer Umgebung zu trainieren, die strategische Vielfalt und Anpassungsfähigkeit belohnt, wohingegen in Europa nur ein einziges Spiel über Sieg und Niederlage entscheidet. Dadurch können sich koreanische Teams hierdurch deutlich besser auf die Spiele der Weltmeisterschaft vorbereiten, die in ähnlichem Format stattfinden. Wohingegen in Europa ein Format genutzt wird, welches dem Zuschauer bereits aus dem traditionellen Sport bekannt und familiär ist und somit einfacher zu Verfolgen ist.

Dass MonteCristo mit seiner Analyse nicht im Unrecht war, konnten man im Halbfinale beobachten: Schon nach dem ersten Spiel schienen Origen und Fnatic ihr Pulver verschossen und ihre Tricks offenbart zu haben, weshalb die koreanischen Teams hatten ein leichtes Spiel mit ihnen hatten. Hinzu kommt auch, dass europäische Teams in Korea trainiert haben, wodurch sich koreanische Teams schneller an deren Spielstil gewöhnen konnten. Deswegen scheint er mit seiner Aussage, dass Teams nach Korea müssen um kompetitiv mitzuhalten, weit daneben zu liegen. Denn nur dank ihrem, durch die EU LCS beeinflussten Spielstil, konnten die europäischen Teams so große Erfolge erziehlen. Mit mehr Zeit sowie mehr Gelegenheiten Spiele in längerem Format zu Spielen, sei es innerhalb der LCS oder auf größeren Turnieren, könnte Europa nächstes Jahr zu den koreanischen Teams aufschließen.

Origin fan

Origin Fans im Stadion

Mit dem Blick nach vorne

Auch wenn es dieses Jahr keinen Weltmeister aus Europa geben wird, konnten die Teams der europäischen Region ein Zeichen dafür setzen, dass sich nicht alles um Korea dreht.

Wie steht ihr zu den Erfolgen der Teams in diesem Jahr? Können sie mehr erreichen? Oder wird die östliche Region, trotz allem was Europa dieses Jahr erreicht hat, weiterhin die Szene dominieren?