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Lernt die Fans beim WM-Event 2015 in Paris kennen

Der französische Ausdruck für Teamgeist lautet „esprit de corps“. Da die Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2015 in Paris stattfindet, könnte man also ganz einfach „esprit“ durch „eSport“ ersetzen. Die Fans sangen im Chor, jubelten zusammen und zeigten mit ihren vereinten Schlachtgesängen, wie stolz sie auf die französischen Profis sind.

Die erste Woche der Gruppenphase der WM 2015 brachte eine ganze Reihe unerwartete Wendungen mit sich. Die Kritiker verstummten, als Origen über die europäische Qualifikation quasi durch die Hintertür zur WM kamen und dann ihre ersten drei Spiele gewannen. Der tiefe Fall der Chinesen von LGD Gaming. Cloud9, die Siebtplatzierten der nordamerikanischen LCS, dominierten die Gruppe C mit eine 3:0-Wertung. Sie schaffte es sogar, den mächtigen Fnatic in den Hintern zu treten. Am Morgen des zweiten Tages sahen wir uns im Dock Pullmann Kongresszentrum um, um uns mit ein paar der anwesenden Fans darüber zu unterhalten, wie es ihnen hier denn so gefällt.

Straßenkämpfer

Fans

Fans vor dem Studio

Die zwei französischen Beschwörer „Grumpy V“ (rechts im Bild) und „Lee Sin HD“ (im blauen Pulli) genossen vor dem Gebäude noch ein wenig den Sonnenschein, bevor sie sich nach drinnen aufmachten, um die erste Begegnung des Tages, SK Telecom T1 gegen Edward Gaming, zu sehen. Sie nahmen am Vortag eine sechsstündige Autofahrt auf sich, um von ihrer südfranzösischen Kleinstadt nach Paris zu kommen und dort die Gruppenphase der WM 2015 mitzuerleben.

„Wir freuten uns wahnsinnig darauf“, erzählt Grumpy V. „Ich war noch nie in Paris, deshalb ist es sogar für mich als Franzosen toll, einmal nach Paris zu kommen und mir die Stadt und das Turnier anzusehen. Wir freuen uns sehr darauf, die Spieler zu treffen, die wir seit Jahren aus dem Fernsehen kennen. Das ist einfach großartig. Noch besser ist es natürlich, dass auch französische Spieler [wie Paul „SoaZ“ Boyer oder Bora „YellOwStaR“ Kim] dabei sind. Das ist unsere allererstes League-Event.“

Worauf freut sich Grumpy V an Tag 2 am meisten? „Auf die Begegnung Origen gegen TSM“, antwortet er. „Der Kerl da drüben ist TSM-Fan und ich hasse ihn dafür. Ich hasse dieses Team nämlich. Aber das ist witzig.“

Zu seiner Verteidigung versichert Lee Sin HD, dass er nur wegen seines Mit-Europäers Bjergsen begonnen hat, sich für TSM zu interessieren. Er glaubt jedoch, dass Origen die Partie gewinnen werden. Wie gute Aufwiegler das eben so machen, stiften wir die beiden an, einen Wetteinsatz zu bestimmen. „Vielleicht irgendetwas während des Spiels, ich weiß nicht. Er muss sich SoaZ aufs Gesicht schreiben [falls Origen gewinnt]“, schlägt Grumpy V vor. „SoaZ Baguette“, erwidert Lee Sin HD lachend. „Das ist echt wichtig, schließlich sind wir Franzosen“, meint Grumpy V trocken.

Heiser statt leiser

Fans

Lee Sin Cosplay

In der Lobby des Dock Pullman-Zentrums treffen wir einen Pariser, der sich im Spiel „Ykkokoro“ nennt und Drachenfaust-Lee Sin cosplayt. Er gehört zu einer winzigen Minderheit und dennoch steht er in einem Meer von Fnatic-Fans zu seinem Cosplay als Anhänger des am höchsten favorisierten chinesischen Teams des Turniers. Er hält ein selbstgebasteltes Schild hoch, auf dem der Schlachtruf „EDG Fighting“ steht.

„Ich bin für EDG“, erzählt Ykkokoro. „Anfangs war das noch nicht mein chinesisches Lieblingsteam, aber seit ich gesehen habe, wie sie beim MSI gegen SKT gespielt haben, bin ich beeindruckt. Ich denke, sie haben gute Chancen, dieses Jahr die WM zu gewinnen, sie sind nämlich wirklich gut. Ihr erstes Spiel gegen SKT wird uns zeigen, ob sie echtes Potenzial besitzen.“

Er wird sich mehrere Tage lang die Gruppenphase ansehen, doch obwohl wir erst bei Tag 2 sind, ist seine Stimme bereits heiser. „Ich habe jeden Tag rumgebrüllt, deshalb kann ich kaum noch sprechen“, erklärt er. „Trotzdem werde ich EDG heute immer wieder anfeuern.“

In welchem Augenblick hat er denn am lautesten gebrüllt? „Am lautesten war ich wohl bei xPekes Vierfachtötung, die war wirklich genial. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass Origen das Spiel [gegen LDG] gewinnt. Als ich Imp 4/0 sah, schien das Spiel so gut wie gelaufen. Dann geschah das Wunder und wow! Das ganze Publikum feuerte Origen an, das war sowas von toll.“

Ohne Fleiß kein Preis

Paris fans

Von Brasilien bis Paris

Die meisten im Publikum sind zwar Franzosen, doch uns fällt auf, dass sich jemand in eine brasilianische Flagge eingewickelt hat. „Rafael Frozen“, wie er im Spiel heißt, ist aus Madrid eingeflogen, um das brasilianische Wildcard-Team paiN Gaming in der Gruppenphase anzufeuern. Aber er freut sich nicht nur darauf, die Brasilianer spielen zu sehen.

„Meine Freunde wollen sich EDG gegen SKT anschauen“, erzählt er. „Mich persönlich interessiert es eigentlich nicht, wenn asiatische Teams gegeneinander antreten. Nordamerika und die europäische LCS sind mir lieber. Ich hasse die asiatischen Teams, weil sie immer nur gewinnen. Die sind einfach zu stark. Mein größter Wunsch ist, dass ein nicht-asiatisches Team gewinnt. Die Asiaten stehen schon zu lange an der Spitze. Ich hoffe, dass Fnatic, die Hoffnungsträger Europas, ins Finale kommen und gewinnen. Allerdings würde ich liebend gerne Fnatic gegen SKT im Endspiel sehen, das wäre perfekt.“

Wenn das Wichtigste für ihn ist, dass ein westliches Team ins Endspiel kommt, ist das Zweitwichtigste vielleicht, dass er seinen Rückflug noch erwischt. Da wird er sich ganz schön beeilen müssen. „Mein Flug zurück nach Madrid landet um 8 Uhr 30“, sagt er, „ und ich muss um 9 Uhr arbeiten. Wenn der Flug sich also auch nur um ein paar Minuten verspätet, habe ich Ärger am Hals. Aber das ist es mir absolut wert. Wer weiß, wann ich noch einmal zur WM kommen kann.“

Vive La Reignover

Trophy

Die Trophäe

Bei jedem League of Legends-Profiturnier in Europa kann man davon ausgehen, dass die Fnatic-Fangemeinde mit einem Großaufgebot vertreten sein wird. Das Team ist haushoher Favorit, vor allem in Paris, denn der Teamleiter und Supporter YellOwStaR ist selbst Franzose. Als wir jedoch „Snykyz“ im Publikum sehen, ist offensichtlich, wer der allergrößte Fnatic-Fan ist. Seine Kleidung spricht für sich. Besonders stolz ist er auf seine Jacke, auf der der Name von Fnatics Jungler Yeu-jin „Reignover“ Kim steht, den er letzten Sommer bei der EU LCS in Berlin kennengelernt hat.

Snykyz gerät beim Erzählen ins Schwärmen. „Als ich [Reignover] in Berlin getroffen habe, sagte ich: ‚Hey Mann, du bist der beste Jungler, du bist ein Monster, das ist mein neuer Spitzname für dich. Nimm mich beim Wort, wenn du zur Weltmeisterschaft in Paris kommst, werde ich auch dort sein. Ich werde dich unterstützen.‘ Da sagte der Manager von Fnatic: ‚Du bist der beste Fan, den wir haben, und ich werde dich nicht vergessen.‘ Deswegen gab er mir auch diese Jacke. Als er sie mir überreichte, dachte ich: ‚Oh Gott, hat er das gerade wirklich getan?!Deshalb bin ich hier. Ich werde sie von ganzem Herzen unterstützen, und ich hoffe, dass sie das Finale gewinnen.“

Als wir ihn um seine Einschätzung zu Fnatics erstem Spiel bitten, schwärmt er: „Ich war wirklich stolz, denn es war ein absolut sauberes Spiel. Nur ein oder zwei Kills für IG, null Türme, keine Drachen, keine Barone. Ich war so froh, weil die ganzen Analysten von fifty-fifty gesprochen hatten [was Fnatics Gewinnchance anging], ich jedoch gab ihnen 100 %, und ich sollte Recht behalten.“

Das ist nicht Snykys erstes großes League of Legends-Turnier in Paris. Er war 2014 beim All-Stars und liebte die Atmosphäre dort. „Als ich erfuhr, dass ein Teil der WM in Paris stattfindet“, erzählt er, „dachte ich mir: Man lebt nur einmal. In den nächsten drei oder vier Jahren wird es wohl keine WM in Paris oder in Europa geben. Also hielt ich es für eine gute Gelegenheit, herzukommen. Ich komme aus Paris, ich werde hingehen, ich werde mein Team wieder unterstützen. Das macht mich sehr glücklich.“

Als ob Fnatic nicht schon motiviert genug sind, das Blatt zu wenden und in der zweiten Woche der Gruppenphase zu glänzen, können sie sich auch sicher sein, dass Snykyz ihnen zusieht, sie anfeuert und Orange trägt, um zu signalisieren, dass alles okay ist. Später an diesem Tag erlangte er damit sogar Berühmtheit, weil er bei der Berichterstattung unten links in der Zuschauermenge zu sehen war, wie er brüllte und aufgeregt auf das Fnatic-Logo auf seiner Kappe zeigte.