Jump to Main ContentJump to Primary Navigation
lcs

Tipps und Tricks: Schützen auf der Top-Lane

Graves tötet Malphite. Das ist kein unbekanntes Szenario, es sei denn, es kommt in Minute drei nach einem eins gegen eins auf der Top-Lane vor. Die Schützen erobern in Saison 6 die Karte wie noch nie zuvor. Ob im Dschungel mit Graves, auf der Mid-Lane mit Corki oder auf der Top-Lane mit Quinn, es ist alles dabei. Aber wie und warum funktioniert das auf der Top-Lane und was davon ist außerhalb der LCS spielbar?

SCHÜTZE ODER ZIELSCHEIBE?

Die Änderungen an den Schützen bringen sie zu noch nie dagewesener Vielfältigkeit. Das nutzen vor allem die Profis in den hohen Ligen der LCS und CS aus. Man darf Corki, Jhin und Ezreal auf der Mid-Lane verfolgen, Graves durch den Dschungel begleiten oder mit Quinn und Graves auf der Top-Lane in Gefechten mitfiebern. Doch schon früher in der Rangliste und jetzt in der dynamischen Warteschlange sah man Quinn und Vayne auf der Top-Lane. Blicken wir etwas tiefer in die Wundertüte der Mannigfaltigkeit, die uns dadurch eröffnet wird.

Tag eins der siebten Woche der europäischen LCS, Splyce gegen Origen. Paul „sOAZ“ Boyer packt Quinn aus und stellt sich dem Gangplank von Martin „Wunderwear“ Hansen. Das Spiel wird von einigen sogar als Musterbeispiel für ein gutes Quinn-Spiel genommen, da sOAZ sehr vieles richtig macht. Doch Maurice „Amazing“ Stückenschneider hat es ihm nicht unbedingt leichter gemacht, denn bei einem frühen Gank gibt er dem gegnerischen Gangplank eine Tötung ab und überlässt ihm damit nochmal etwas extra Gold. Paul hingegen bleibt locker und vervollständigt Stück für Stück seine Gegenstände und Origen nutzte die Stärken der Schwingen Demacias voll aus.

Nachdem die frühen Spielphasen vorbei waren, begannen sie, regelmäßig Druck auf zwei oder sogar allen drei Lanes zu machen. Dabei war meist LeBlanc auf der Top-Lane, Quinn auf der Bot-Lane und der Rest des Teams, bestehend aus Rek'Sai, Alistar und Lucian, bauten die Mid-Lane auf. Das ist eine der besten Strategien, die man mit Quinn auf der Top-Lane spielen kann, denn zum Splitpush, also Druck auf mindestens zwei Lanes aufzubauen, ist Quinn dank ihrer hohen Geschwindigkeit mehr als prädestiniert. Dazu kommt ihre Fähigkeit „Blendender Ansturm“, mit dem sie einzelne Gegner, die sie stoppen wollen, kurzerhand nutzlos macht, weil diese, schlicht und einfach, nichts mehr sehen können, was um sie herum ist.

Durch ihre hohe Geschwindigkeit hat sie einen weiteren Vorteil in Gruppenkämpfen. Einfacher als alle anderen Champions kann sie ihre Gegner flankieren und anfällige Ziele mit wenigen Lebenspunkten präzise und schnell töten, um anschließend wieder zu verschwinden. Der größte Nachteil von Quinn ist wohl im Umkehrschluss, dass sie selbst über sehr wenig Lebenspunkte und Resistenzen verfügt. Sollte sie also betäubt oder festgehalten werden, ist es aus und vorbei. Ein weiteres Problem von Quinn ist, dass sie viel Absprache mit ihrem Team benötigt. Ohne Absprache entstehen viele Fehler, die nicht nur Quinn das Leben kosten können. Das macht Quinn zu einem sehr schwierigen, aber durchaus lohnenswerten Champion, denn es hängt von euch ab, ob ihr Schütze oder Zielscheibe seid.

TOD DURCH KOLLATERALSCHADEN

Einem zweiten Schützen ergeht es ganz ähnlich. Graves hat viele Änderungen erfahren und macht es sich jetzt vor allem im Jungle und auf der Top-Lane gemütlich. Ausgestattet ist er dafür mir sehr hohen Schadensspitzen und guten Resistenzwerten durch seine E „Schnelles Ziehen“. Diese lässt ihn verhältnismäßig viel Schaden wegstecken und bei der gleichzeitig gewonnenen Mobilität kann er sehr gut vor Angriffen fliehen oder die Jagd auf seine Gegner eröffnen. Mit seiner ultimativen Fähigkeit „Kollateralschaden“ hat er sowohl große Reichweite, wie auch tödlichen Schaden für seine Feinde auf Lager.

Trotz seiner hohen Resistenzen ist er reinen Tanks doch unterlegen, kann diese aber gezielt aus dem Spiel nehmen, indem er seinen immensen Schaden ausnutzt. Ein schönes Beispiel war das Spiel H2K gegen Vitality in Woche sechs der EU LCS. Lucas „Cabochard“ Simon-Meslet spielte Graves gegen Malphite und zog für sein Team alle Register. In der frühen Phase des Spiels konnte er sich direkt zwei Tötungen sichern und damit einen großen Vorsprung herausspielen. Er blieb zwar bei den Vasallen etwas zurück, kam aber sehr schnell zum ersten Gegenstand, dem Schlund von Malmortius. Da das Team von H2K sehr auf Fähigkeitsstärke und magischen Schaden basierte, bekam er damit einen weiteren Schritt Vorsprung. Im weiteren Spielverlauf nutzt er die Stärken von Graves gnadenlos aus. Cabochard nutzt die Schadensspitzen, die ihm Graves ermöglicht, zieht sich danach kurz aus dem Kampf zurück, nur um gleich nach Ablauf der Abklingzeiten wieder in den Kampf nachzurücken und weiteren Schaden auszuteilen.

Anders als Quinn ist Graves weniger für den Splitpush geeignet, da ihm dafür viel Lauftempo oder eine Fähigkeit für mehr Mobilität fehlt. Seine Fähigkeit „Schnelles Ziehen“ ist gut um Kämpfe zu eröffnen oder sie schneller zu verlassen, aber nicht, um eine ganze Lane schnell entlang zu laufen. Graves auf der Top-Lane ist eine zusätzliche Schadensquelle mit besseren Resistenzen und meist auch mehr Lebenspunkten. Er lässt sein Team, dank seiner Flächenzauber, im Teamkampf aufblühen und bringt durch seine Angriffsreichweite vielen üblichen Top-Lanern schwere Zeiten in frühen Spielphasen. Zudem ist er in der dynamischen Warteschlange auch öfter in verschiedenen Variationen zu sehen, selbst komplett auf Schaden oder Leben getrimmte Graves findet man hier. Doch er ist nicht der einzige Schütze, der es sich des Öfteren auf der Top-Lane gemütlich macht.

Im Moment kann man alles auf der Top-Lane spielen, von Kennen über Poppy und Fiora, bis hin zu Graves. Jeder hat andere Stärken und gibt deinem Team andere Möglichkeiten.

Lucas „Cabochard“ Simon-Meslet

DAS BÖSE LAUERT HINTER JEDER ECKE

Ein Champion, der schon länger sein Unwesen auf der Top-Lane treibt, ist Vayne. Diese wird allerdings nicht in der LCS, sondern außerhalb gespielt. In der LCS wurde sie nur ein einziges Mal auf dieser Position gespielt. Die Jägerin der Nacht wird aber gerne ab und an auf der Top-Lane gespielt, jedenfalls wenn der Rest des Teams genug Durchhaltevermögen besitzt und viele Champions magischen Schaden verursachen. Zudem ist sie eine hervorragende Wahl, wenn es darum geht, Tanks auszulöschen. Dank ihrer Fähigkeit „Silberbolzen“ macht jeder dritte automatische Angriff zusätzlich absoluten Schaden, prozentual errechnet am maximalen Leben des Gegners.

Ähnlich wie Graves hat sie gute Mobilität in Kämpfen, kann aber beim Splitpush nur bedingt mit Quinn rivalisieren. Außerdem verfügt sie über sehr wenig Lebenspunkte, kann aber dem meisten Schaden dank ihrer Reichweite entgehen. Begegnet sie damit einem Champion wie beispielsweise Jax, Teemo oder Wukong, dann wird Vayne sehr schnell sterben, da ihre automatischen Angriffe nichts oder selten treffen. Vayne ist damit eine rein situationsbedingte Wahl, kann aber durchaus einige Vorteile besitzen.

Genie oder Wahnsinn?

Neben diesen drei Schützen kann man natürlich auch alle anderen auf der Top-Lane spielen. Sie geben einem Team ganz andere Möglichkeiten. Sei es der Splitpush, der dadurch vereinfacht wird, oder der zusätzliche Schaden in Teamkämpfen, mit dem man die Gegner überraschen und vielleicht auch überrumpeln kann. In der EU LCS sollten wir deswegen sOAZ und Cabochard im Auge behalten. Sie haben bisher gerne Schützen ausgepackt und werden es vermutlich auch in Zukunft wieder tun. Was haltet ihr von Schützen auf der Top-Lane? Spielt ihr sie auch selbst? Sind sie eine Bereicherung für die Vielfalt der Top-Lane oder eher eine Strapaze, weil dadurch andere Top-Laner verdrängt werden?