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Wechselbad der Gefühle: Gruppenergebnisse überraschen alle!

In der Welt vom eSports kann es immer Überraschungen geben, da viele Faktoren den Ausgang eines Spiels beeinflussen. Diese Weltmeisterschaft hat sich jeder Zuschauer mit Sicherheit mehrfach an den Kopf greifen müssen, da sie sich bislang unvorhersehbarer und somit emotionaler denn je gestaltete.

Welche Erwartungen haben sich in der Gruppenphase erfüllt und wo wurde unser Bild eines Teams neu geformt? Erwartungen beruhen auf Wissen und Erfahrung, also müsste die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass diese sich auch so in den Ergebnissen abzeichnen oder unterschätzt dieser Gedanke die Macht der Überraschung?

Victory

Steak am jubeln

Gruppe A: Flash Wolves, KOO Tigers, CLG und paiN Gaming

Beim ersten Betrachten der Gruppe A nach der Ziehung stand für den Analysten Joshua „Jatt“ Leesman fest, dass Counter Logic Gaming mit der Zuweisung Glück gehabt habe und Martin „Deficio“ Lynge erwartete ebenso, dass die Amerikaner es über die Gruppenphase hinaus bringen würden.

Selbst paiN Gaming rechnete Jatt die Chance zu in dieser Gruppe, wenn sie gut spielen würden, einige Spiele für sich entscheiden zu können. Er bezeichnete sie als das stärkste Wildcard-Team, welches je in die Weltmeisterschaft eingezogen ist.

Im Vergleich mit der Zusammensetzung der Gruppen B-C schien diese auch eindeutig die machbarste Konstellation zu sein und ermöglichte, vermeintlich schwächeren Gruppen, die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Für den Experten Jake „Spawn“ Tiberi  war in dieser weit offenen Gruppe kein klarer Favorit erkennbar, dennoch seien KOO Tigers das stärkste Team. Sein dänischer Kollege Deficio rechnete Flash Wolves Überraschungschancen ein, jedoch sei er nicht sicher ob sie ihren Weg zurück in die Meta gefunden haben. Ihr Mid-Laner Yi-Tang „Maple“ Huang sei ein starker Spieler von Assassinen und seitdem diese aus dem Rift verschwunden sind, war es ihm oftmals nicht möglich das Spiel zu „carryn“.

Auch Spawn fügte hinzu, dass  insbesondere der Top-Laner Lu-Hsi Chou von den Flash Wolves gegen Rivalen wie Darshan „ZionSpartan“ Upadhyaya und Kyung-ho „Smeb“ Song sehr zu kämpfen haben wird.

Obwohl in dieser Gruppe alles möglich schien, waren die Tipps unserer Experten eindeutig: Alle sagten für den ersten Platz KOO Tigers gefolgt von Counter Logic Gaming voraus.

In der ersten Woche gelang es CLG nach Siegen über die Flash Wolves und paiN Gaming einen verdienten oberen Platz einzunehmen. Lediglich gegen das Team KOO Tigers konnten sie keinen Sieg verbuchen und beendeten die erste Phase mit einem 2:1.  Den Koreanern gelang es zwar uns von ihrer Stärke zu überzeugen, dennoch konnten sie die erste Partie gegen die Flash Wolves nicht zu ihren Gunsten drehen. Die individuelle Leistung von Yi-Tang „Maple“ Huang auf Gangplank und die Gesamtleistung eines dominanten Teams ermöglichte den Wölfen den Goldvorteil auf ihrer Seite zu halten und die KOO Tigers zu besiegen. Während die Koreaner nun gemeinsam mit CLG die Tabellenspitze einnahmen, gelang es weder den Flash Wolves noch paiN Gaming einen zweiten Sieg zu verbuchen und beide endeten mit einem 1:2.

Bislang waren die Erwartungen vorab mit der Gruppenleistung zu vereinbaren, jedoch sollte sich das ändern. Niemand hatte damit gerechnet, dass es den Flash Wolves gelingen würde innerhalb eines Tages mit drei Siegen in Folge die Spitze ihrer Gruppe zu erobern. Es war zwar abzusehen, dass zwischen den vier Teams alles möglich schien, doch nachdem sich in der ersten Woche die Einschätzungen bestätigten, rechnete kaum einer mit einem so großen Comeback. Allein beide Spiele gegen das koreanische Team für sich entscheiden zu können, ist eine beachtliche Leistung gewesen.

Counter Logic Gaming hingegen konnte den  Erwartungen nicht gerecht werden. Nach einer weiteren enttäuschenden Niederlage gegen die KOO Tigers, konnten sie auch gegen die beiden anderen Teams keinen Erfolg mehr erreichen und verabschiedeten sich als Gruppendritter. Ebenso konnte paiN Gaming nicht die Leistungssteigerung an den Tag legen, die die Karten für sie neu gemischt hätten. Als Highlight hier war vermutlich die Verlobung seitens brTT’s, Schütze von paiN Gaming. Dieser überraschte seine Freundin per Live-Übertragung und machte sie sprachlos.

Am Ende zogen die taiwanischen Wölfe an der Spitze, gefolgt von ihren koreanischen Rivalen in das Viertelfinale ein.

Overhead

Übern Kopf von Reignover

Gruppe B: Fnatic, AHQ, Cloud9 und Invictus Gaming

Die Gruppe B wurde von unseren Analysten unterschiedlich bewertet. Jake „Spawn“ Tiberi sah Invictus Gaming als Tabellenanführer vor AHQ E-Sports Club, mit der Begündung, dass der aktuelle Patch sehr gut für das chinesische Team passen würde. Joushua „Jatt“ Leesmann stimmte seinem Kollegen zu, Invictus Gaming sei das viertbeste Team dieses Jahr bei der Weltmeisterschaft, nur sprach er die Zweiplatzierung dem europäischen Hoffnungsträger Fnatic zu. Anderer Meinung war der Däne Martin „Deficio“ Lynge:

„Fnatic kann den ersten Platz in dieser Gruppe erreichen. Invictus Gaming ist ein gutes Team, aber wenn sie nicht auf Höchstlevel performen werden, wird Fnatic sie schlagen.“

Erst nach Aufforderung der Moderatorin Eefje „Sjokz“ Depoortere widmeten sich die Experten auch dem Thema Cloud9. „Es tut mir sehr leid für sie“ begann Jatt die Diskussion und Deficio erklärte Cloud9 sei zu sehr darauf angewiesen, dass ihr Schütze Zachary „Sneaky“ Scuderi allein die Teamfights gewinne und so gab er seine Prognose wie folgt ab: „Es werden uns viele knappe Spiele zwischen Fnatic, AHQ und IG erwarten – Sorry Cloud9!“

An diesen Worten kamen allerdings in der ersten Woche große Zweifel auf, als Cloud9  sich mit einer Siegesserie die Gruppendominanz erkämpfte und sich von einem unterschätzten Underdog zu einem euphorisch gefeierten Favoriten entwickelte. Die Leistung der anderen Drei als stärker geltenden Teams ließ allerdings zu wünschen übrig, allesamt beendeten die ersten Phase mit je nur einem Sieg und es viel schwer, die weitere Entwicklung dieser Gruppe vorherzusagen.

Der neugeborene Hype um die Nordamerikaner brachte auch Druck mit sich, dem sie in der zweiten Phase nicht mehr gewachsen waren und ihre Siegesserie mit drei aufeinanderfolgenden Niederlagen leider nicht fortführen konnten.

Aber diese Weltmeisterschaft brachte nach jeder Enttäuschung eine neue Überraschung hervor und so war es Fnatic, die mit unerwarteten Picks wie Kennen auf Martin „Rekkles“ Larsson und einer insgesamt starken Individualleistung der einzelnen Spieler neben den Nordamerikanern auch AHQ E-Sports Club und Invictus Gaming besiegen konnten.  Bei den Taiwanern zeigte sich ebenso der Ehrgeiz, die Chance auf das Viertelfinale wahrzunehmen. Nach einem sehr fesselnden Spiel, dass für Fnatic das Ticket nach London bedeutete, besiegten sie Cloud9 in einem Tiebreaker-Duell und folgten den Europäern in das Viertelfinale.

 In einer spannenden Gruppe landete am Ende das als Favorit bezeichnete chinesische Team Invictus Gaming auf dem letzten Platz und rückblickend betrachtet hätte kaum einer mit den gezeigten Höhen und Tiefen der einzelnen Mannschaften gerechnet.

Obwohl es für Cloud9 am Ende nicht gereicht hat, schafften sie es immer wieder uns neben einem gewohnt starken Schützen auch ein schönes Teamzusammenspiel und eine starke Leistung ihres Shotcallers Hai „Hai“ Lam zu zeigen. Im Vorfeld hatte Joshua „Jatt“ Leesman prophezeit, dass An „Balls“ Le nicht einmal ansatzweise mit dem Niveau der anderen Top-Laner mithalten könne. Dass dies nicht der Fall war bewies spätestens seine spielentscheide Fünffachtötung im Spiel gegen Fnatic in der ersten Woche. Dem europäischen Team Fnatic gelang es nach einer Einfindungsphase in den ersten drei Spielen an ihrer Glanzleistung, von der sie uns in der europäischen LCS bereits diesen Sommer überzeugten, anzuknüpfen.

Gruppe C: SKT, H2K, Edward Gaming und Bangkok Titans

Für die Gruppe C waren die Expertenmeinungen eindeutig: SK Telecom T1 und Edward Gaming sind die klaren Favoriten. Den Europäern H2K und dem Wildcard-Team Bangkok Titans sprachen sie keine Chancen zu.

SKT

SKT T1

Uneinig waren sich unsere Analysten nur bezüglich der Erst- und Zweitplatzierung. „Edward Gaming schlug SK Telecom T1 im Mid-Season Invitational dieses Jahr und hat eine gute Strategie gegen die Koreaner“ sagte der Däne und sprach ihnen die Tabellenführung zu. Jake „Spawn“ Tiberi bestätigte ihn, da er von Edward Gaming eine sehr gute Performance erwarte. Nur Joshua „Jatt“ Leesman setzte seine Karte auf das koreanische Weltteam, auch wenn ohne Zweifel beide Mannschaften Favoriten seien, diese Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Er sollte Recht behalten, denn SK Telecom T1 gelang die perfekte Gruppenphase mit sechs Siegen und somit bewiesen sie ihre unangefochtene Stärke erneut. Dennoch bekamen wir gerade gegen die Underdogs spannendere Spiele als erwartet zu sehen, da sie sich erstaunlich gut schlugen und teilweise auch goldtechnisch an den Koreanern dran bleiben können. Am Ende erfüllten sich jedoch die Erwartungen und nach SKT zog das chinesische Team Edward Gaming auf dem zweiten Platz mit einem Ergebnis von 4:2 ins Viertelfinale ein.

KT Rolster

KT Rolster

Gruppe D: Origen, KT Rolster, LGD Gaming und Team SoloMid

Über die Gruppe D wurde im Vorfeld viel gesprochen und sie galt in der Community wie auch nach der Meinung unserer Analysten als eindeutig: LGD Gaming wird den ersten Rang einnehmen und KT Rolster den zweiten Platz belegen. Nach der Gruppenziehung wurde der Mid-Laner von Elements Henrik „Froggen“ Hansen um seine Einschätzung gebeten und er sah kaum Hoffnung für das Team Origen gegen LGD und KT Rolster. Sein Landsmann Martin „Deficio“ Lynge stimmte dem mit folgenden Worten zu: „Team SoloMid und Origen – diese Gruppe ist zu schwierig für euch.“ Auch wenn er den Europäern noch eine kleine Hoffnung machte, in dem er ihren Vorteil gegen KT Rolster in der Synergie der europäischen Bot-Lane sah. Als einen der entscheidenden Spieler dieser Gruppe sahen die Experten den allgemein stark gefeierten Top-Laner Chan-ho „Ssumday“ Kim von KT Rolster. Doch gerade in der ersten Woche der Gruppenphase konnte er die sehr hohen Erwartungen an ihn nicht erfüllen, auch wenn es seinem Team durch eine starke Gesamtleistung gelang zwei Siege auf ihrem Konto zu verbuchen. Die großen Überraschungen hier lagen klar auf der Hand: Das unterschätzte Team Origen nahm mit 3:0 die Gruppenspitze ein und das hochgelobte chinesische Team LGD Gaming landete mit einem enttäuschenden Ergebnis von 0:3 am entgegen gesetzten Ende der Tabelle. Team SoloMid konnte nur einen Sieg erreichen, der mit der Stärke des Champions Mordekaiser und der schwachen Leistung von LGD zu begründen war. Auch wenn die Erwartungen an die Nordamerikaner nach dem Leistungsabfall seit dem MSI nicht die höchsten waren, war das Resultat enttäuschend.

In der folgenden Woche hielt ihre Pechsträhne weiter an und als Gruppenletzter verabschiedeten sie sich aus dieser Weltmeisterschaft. Die Niederlage der Amerikaner bedeutete aber auch den vierten Sieg für das europäische Team Origen, das somit sicher im Viertelfinale in London vertreten war. Mit ihrer starken Überlegenheit gegen die schwierige Gruppenkonkurrenz haben sie alle Erwartungen widerlegt.

In den folgenden Spielen ging es für sie nur noch darum, ob sie als Gruppenerster oder Zweiter hervorgehen würden. Vielleicht war die Gewissheit weiter zu sein ein Grund dafür, dass der Tag ansonsten nicht sehr erfolgreich für sie weiter ging und sie zwei Niederlagen kassierten. Mit Blick auf das chinesische Favoritenteam sagte der nordamerikanische Analyst Aidan „Zirene“ Moon: „LGD sieht momentan nicht aus wie LGD“. Es gelang ihnen zwar an diesem Tag gegen Team SoloMid und Origen noch je einen Sieg verbuchen zu können, doch ist das Gesamtergebnis von 2:4 für sie alles andere als ein zufriedenstellendes.  Für KT Rolster hingegen ging es auch in der zweiten Woche erfolgreich weiter und sie erreichten durch eine dreifache Siegesserie den ersten Rang in der Gruppe des Todes mit einem Resultat insgesamt von 5:1.

Die Stärke im Unmöglichen

Wenn nichts von dir erwartet wird und du somit auch nichts zu verlieren hast, bist du frei alles zu geben und plötzlich wird das Undenkbare möglich.

Origen, Fnatic, Cloud9 und Flash Wolves haben uns eine sehr abwechslungsreiche und spannende Gruppenphase beschert und gezeigt, dass bis zuletzt alles möglich ist und die Karten jederzeit neu gemischt werden können. Mit welchen Erwartungen seid ihr in die Gruppenphase gestartet und inwiefern sind diese mit den tatsächlichen Ergebnissen vereinbar? Welche Momente haben euch am meisten überrascht? Was bedeutet dieser „Alles-ist-möglich“-Geist, der die Weltmeisterschaft zu beherrschen scheint? Welche Konsequenzen werden die Ergebnisse auf die Szene haben? Vielleicht stärken sie auch unsere heimische LCS und CS, in dem für jedermann neue Hoffnung aufkeimt, denn was auf der Bühne der Weltmeisterschaft möglich ist, sollte doch auch im regionalen Kampf umsetzbar sein, oder?