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Das war Rift Rivals: NA vs EU!

In der letzten Woche war Berlin Gastgeber für ein neues Turnier, dass die besten drei Teams aus Europa gegen die besten drei Teams aus Nordamerika antreten lässt. Die oft gestellte Frage “Wer ist wirklich die beste Region im Westen?” sollte endlich für alle Zeit beantwortet werden.

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Hohe Erwartungen an Europa

Wenn ein europäisches Team auf eines aus Nordamerika trifft, sei es bei der Weltmeisterschaft oder bei MSI, sind die Fans im Westen immer sehr aufgeregt. Beide Regionen stehen sich relativ nahe, viele europäische Spieler sind über den Ozean umgesiedelt, Fans beider Regionen gönnen der jeweils anderen nichts. Und beide Regionen wollen über die andere triumphieren. Erwartungen waren deshalb durchaus hoch, vor allem an die Teams aus Europa. Von anderen Spielern, Castern und Analysten wurde FNATIC als bestes Team im Turnier auserkoren. Das Team hat bisher die EU LCS fast allein dominiert und obwohl sie generell einen ähnlichen Spielstil aufzeigen, schien trotzdem kein anderes Team die Möglichkeit zu haben, ihn zu knacken. Man sah sie als die Favoriten auf den Sieg bei Rift Rivals. Das Team in der Liste genau hinter Fnatic sind Unicorns of Love. Auch die Erwartungen an sie waren relativ hoch, jedoch hat das Team in letzter Zeit in der LCS unter Problemen gelitten. Es stellte sich also die Frage, ob sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Nur von G2 Esports, den Siegern des letzten Splits, erwartete niemand viel. Seit Beginn des Sommers konnten sie ihre Form nicht finden. 

Für Nordamerika war die große Hoffnung, wie so oft, Team SoloMid. Auch wenn sie in diesem Split die Tabelle noch nicht anführen, sind sie doch eine Macht, die nie ausgeschlossen werden darf. Mit neuem, alten AD Carry wollten sie ihre Ergebnisse von MSI verbessern. Dazu kam C9, die in der Rangliste momentan einen Platz hinter TSM stehen und damit in NA eher im Mittelfeld platziert sind. Auch wenn die Erwartungen von professioneller Seite an sie nicht sehr hoch waren, wollte die große Anzahl an Fans natürlich eine gute Show geboten kriegen. Dazu kam dann noch Phoenix1, die zwar in NA in dieser Saison noch keine großen Erfolge finden konnten, aber gerade einen neuen Jungler verpflichtet hatten. Generell jedoch wurden die nordamerikanischen Teams als schwächer eingeschätzt.

Hochmut kommt oft vor dem Fall

Im Vorfeld zu dem Turnier hatten sich vor allem die europäischen Spieler über ihre Gegner aus dem Westen gestellt. Dies kann natürlich als freundlicher Spaß angesehen werden, sollte aber auch mit Resultaten bewiesen werden. Wenigstens manchmal. Doch die großen Sprüche, die vor dem ersten Tag so viel zitiert wurden, blieben nur Sprüche. Schon von dem ersten Tag an waren die Teams aus Europa ihren Gegnern schwer unterlegen. Und zwar so weit unterlegen, dass manche Spiele teilweise nicht einmal eng waren. Es war von Anfang an klar, dass sie entweder die Gegner unterschätzt oder das Turnier auf die leichte Schulter genommen hatten. Unicorns of Love konnten am ersten Tag kein einziges Spiel gewinnen, Fnatic nur eins und auch G2 nur eins. Dies blieb auch ihr einziger Sieg im ganzen Turnier. Das so hoch eingeschätzte Fnatic konnte nicht einmal in Spielen überzeugen, die sie für sich entscheiden konnten. Ihr spezieller Stil, der in Europa so gut zu funktionieren schien, wurde von ihren Gegner komplett durchschaut und umspielt. UOL konnten sich am Ende mit den meisten Siegen für das Finale qualifizieren, aber auch sie zeigten sehr unterschiedliche Leistungen. Meist, so schien es, konnten sie nur Spiele für sich entscheiden wenn sie ihre besten Champions oder eine gewisse Komposition für sich sichern konnten. 

MIkeYeung


Nicht nur offizieller Gewinner dieses Turniers ist Team SoloMid und damit NA. TSM überragte von Anfang an alle ihrer Gegner. Man kann dem Team vorwerfen, dass sie manchmal Spiele mehr durch Fehler ihrer Gegner als ihr eigenes Können gewinnen. Dies lässt sich aber nicht auf Rift Rivals übertragen. Das Team konnte in jeder Art überzeugen, jeder Spieler überzeugte gegen seinen direkten Konkurrenten. Wie von ihnen gewünscht können sie ihre Leistung von MSI wettmachen und holten somit den Sieg nach Hause. Auch Phoenix1 zeigten ihre Stärke, die in der NA LCS bisher ein bisschen untergegangen war. Obwohl man vorausgesagt hatte, dass sie kein einziges Spiel für sich entscheiden können würden, wären P1 fast noch ins Finale eingezogen. Ihre Siege waren auch keinesfalls Glücksfälle. Nur Cloud9, von Fans so geliebt, konnten nicht wirklich von sich überzeugen. Das bedeutet nicht, dass sie sehr schlecht abschnitten, nur, dass sie schlechter abschnitten als von ihnen erwartet. Sie waren dennoch an vielen Stellen stärker als ihre europäischen Gegner.

Positive und negative Eindrücke 

Den größten Eindruck im Turnier sollte wohl TSM gemacht haben. Nicht nur mit ihrem strategisch überlegenen Spiel, sondern auch mit überragenden Einzelleistungen jedes einzelnen Spielers im Team. Ihre Zusammenarbeit war großartig und ihre Entscheidungen oft mit positivem Ausgang. Sie werden jetzt mit neuem Selbstbewusstsein nach NA zurückkehren, um die Jagd auf die Tabellenspitze vorzunehmen. Schließlich steht schon bald wieder die Weltmeisterschaft an. TSM wird also wieder ein Team sein, dass man einfach nicht abschreiben kann. Eindruck gemacht hat auch der neue Jungler von Phoenix1, Michael "MikeYeung" Yeung. Gerade erst P1 auf Grund derer Schwierigkeiten in der NA LCS beigetreten, durfte der junge Jungler nach nur zwei Wochen regulärer Spielzeit schon auf sein erstes internationales Turnier fahren. Im Vorfeld hatte man gedacht, dass er nur gute Leistungen auf seinem Lieblingschampion Nidalee zeigen könne, aber das war weit gefehlt. Egal welchen Jungler MikeYeung in die Hände bekam, er wusste mit seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Seine Aggression im frühen Spiel brachte P1 oft eine Führung ein, die häufig zum Sieg geführt hat. Für seine Leistungen wurde er nicht ohne Grund zum MVP der Gruppenphase ernannt. In seinen Fähigkeiten gestärkt geht er jetzt zurück nach Hause und wird hoffentlich weiterhin großartiges leisten. 

Wir haben viele Probleme als Team, innerhalb und außerhalb des Spiels, aber wir arbeiten an ihnen und dieses Turnier hat geholfen.

Zven auf Twitter


Europa hat aber leider hauptsächlich negative Eindrücke hinterlassen. Nicht nur, dass sie sich nicht den Sieg holen konnten, obwohl vorher Sprüche geklopft wurden, sondern sie zeigten auch total unterlegen scheinende Strategien. Während europäische Teams meist Kompositionen wählten, die auf Kämpfe ausgelegt sind, wählten NA Teams einfach solche aus, die Kämpfe vermeiden. Im frühen Spiel konnte sich keins der EU Teams eine Führung erkämpfen. Mit doppeltem Teleport hatten vor allem TSM einen großen Vorteil überall auf der Kluft. Die Europäer waren einfach zu langsam und schienen ihren Gegnern nur hinterher zu rennen. Wenn sie doch Spiele gewannen, dann war dies oft mit Glück verbunden, oder mit der Tatsache, dass sie doch endlich einen Teamkampf durchführen konnten. Besonders erfolglos war jedoch G2 Esports. Das Team, dessen Fluch es gewesen war international nicht stark in Erscheinung zu treten, schien diesen Fluch während MSI gebrochen zu haben. Man sah sie schon als unbesiegbar in der EU LCS an. Doch stattdessen zeigten sie in der Saison bisher überhaupt keine großen Leistungen. Die Erwartungen an sie für Rift Rivals waren also relativ gering, das zeigte sich dann auch in den Spielen. Die Kommunikation in G2 scheint nicht mehr zu funktionieren. Sie machten Fehler, die im professionellen Spiel eigentlich nicht passieren dürfen. Ihre beim MSI neu gefundenen Fans sind enttäuscht. Lastet der Fluch erneut auf ihnen?

Was bleibt?

Rift Rivals hat gezeigt, dass Europa, so schwer es auch zu akzeptieren sein mag, hinter Nordamerika zurückgefallen ist. Die Tatsache, dass drei der besten EU Teams so auseinander genommen werden, sagt viel über die Region an sich. Es sind nicht nur FNC, UOL und G2, die an sich arbeiten müssen, es sind auch die anderen Teams in Europa. Jedenfalls sollten sie dies tun, wenn sie eine Chance bei der kommenden Weltmeisterschaft haben wollen. Es ist also an der Zeit seine Strategie zu überdenken und intern an Problemen zu arbeiten. Nordamerika aber kann sich wenigstens bis zum nächsten direkten Vergleich damit schmücken besser als EU zu sein. Verdient haben sie sich dies auf jeden Fall. Ob es nun ein freundschaftliches Turnier war oder nicht, sie konnten überzeugend den Sieg einstreichen. Frage also beantwortet: NA > EU.