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Tipps und Tricks

PROFI-TIPPS: BEHERRSCHE DEN DSCHUNGEL

Die Profis der EU LCS erklären, wie man im Dschungel spielt und sein Team zum Sieg führen kann!

Wenn wir über die Rollen sprechen, die den größten Einfluss auf die Spiele in League haben, dann sticht eine heraus: der Jungler. Das Spiel im Dschungel hat sich mit der Zeit stark verändert: Der gefährliche Dschungel in der ersten Saison; die zweite Saison, in der es immer hieß „Du kannst Schaden verursachen? Gratuliere, du kannst im Dschungel spielen!“; das Zeitalter des Konterspiels im Dschungel, das von Diamondprox eingeleitet wurde; das legendäre Metaspiel mit Lee Sin/Elise/Evelynn; und zu guter Letzt der variantenreichere Dschungel von heute mit seinen Pflanzen, Kluftkrabblern und violetten Riesenkrabben aus der Leere. 

Der Dschungel stellt sowohl neue als auch erfahrene Spieler immer wieder vor Herausforderungen. Dabei unterscheidet sich nicht nur das situationsabhängige Gameplay von den permanenten Schlagabtäuschen und Vasallentötungen auf der Lane, man muss auch komplett anders an diese Rolle herangehen. Man kämpft nicht nur gegen den gegnerischen Jungler, sondern hat auch die Möglichkeit, immer überall zu sein, was manchmal bedeutet, überall gleichzeitig sein zu müssen. Man führt sein Team zum Sieg oder spielt ein einsames Spiel, während der Rest des Teams um einen herum zusammenbricht. Sollte man jedoch erfolgreich sein, wird man von seinen Teammitgliedern gefeiert, während man vor dem explodierenden Nexus der Gegner steht.

Als Deficio im letzten Jahr ein paar Tipps für die mittlere Lane zusammenstellte, verglich er League of Legends mit Schach und die Mid-Laner mit der Dame. Jungler ähneln jedoch eher Springern: Sie bewegen und spielen sich anders als die restlichen Figuren auf dem Brett, und wenn man sie nicht in Schach hält, können sie für jeden Gegner zur Bedrohung werden. Dabei muss die Herangehensweise perfekt sein, damit der Gegner erst merkt, dass er gejagt wird, wenn es bereits zu spät ist. 

Für das Spielen im Dschungel ist ein enormes Spielverständnis und die perfekte Beherrschung der Spielmechaniken erforderlich. Man muss nicht nur seine eigenen Bewegungen, sondern auch die Position der Laner, die Timer für Lager und Ziele, und den gegnerischen Jungler im Auge behalten. Sehr gute Jungler wissen dank ihres Spielverständnisses immer, wo ihr Gegner gerade ist. Die besten Jungler wissen aber nicht nur, wo sich ihr Gegner gerade befindet, sondern auch, dass ihr Gegner ebenfalls weiß, wo sie sich gerade befinden, und sie versuchen, ihn bei jeder Gelegenheit zu überraschen. 

Im Folgenden werden wir ein paar der wichtigsten Dinge ansprechen und die Meinungen von ein paar der besten Jungler der EU LCS hören (Broxah von Fnatic, Trick von G2, Xerxe von Unicorns of Love, Jankos von H2K und Trashy von Splyce).

DIE WAHL DES RICHTIGEN CHAMPIONS

TrickpicksDE
Jedes Spiel beginnt mit einer wichtigen Entscheidung: Welchen Champion wähle ich aus? Es ist vielleicht überflüssig, das zu erwähnen, aber die Wahl des Champions für den Dschungel ist wichtiger als die Wahl jedes anderen Champions, da sie entscheidet, wann man und wie viel Einfluss man auf die gesamte Karte hat. Da die Jungler wegen ihrer Freiheit einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf das Spiel haben, muss man seine Herangehensweise bereits vor dem Spiel genau planen. Und das beginnt mit der Auswahl des Champions.
 
Für das momentane Metaspiel (Patch 7.13/7.14) empfiehlt Trick, der Jungler von G2, die folgenden Champions:
 
Schwerpunkt frühes Spiel: Elise/Lee Sin/Rek’Sai
Schwerpunkt spätes Spiel: Kha’Zix/Gragas/Zac
Als zusätzlicher Supporter: Nunu/Sejuani
 
Es ist keine Überraschung, dass Elise und Lee Sin Tricks Lieblingschampions für das frühe Spiel sind. Beide Jungler sind beweglich und verursachen in den frühen Stadien des Spiels hohen Schaden, während sie gleichzeitig leicht Ziele kontrollieren können. Rek’Sai kann zwar nicht so einfach Ziele kontrollieren wie Elise oder Lee Sin, dafür kann sie dank ihrer unvorhersehbaren Wegfindung (mehr dazu später) leicht aus dem Hinterhalt angreifen. Starke „Rek’Sai“-Spieler bewegen sich am Rand der Sicht und lauern ihrer Beute auf, bevor sie sich eingraben, um ihnen den Todesstoß zu versetzen. Elise ist im Dschungel eine willkommene Quelle für magischen Schaden und die Fernkampf-Betäubung von „Kokon“ bedeutet für die meisten den Tod, die von ihrem Netz erwischt werden. Profi-Tipp: Elise kann „Abseilen“ auf Pflanzen wirken, wodurch sie auch ohne Ziele Mauern überwinden kann. Dank seiner Sprünge zu gutplatzierten Augen kann auch Lee Sin aus einigen unorthodoxen Winkeln angreifen. Außerdem ist er ein starker Initiator im späten Spiel, sofern man ihn so gut beherrscht wie Insec. 
 
Was die Jungler für das späte Spiel betrifft, so haben Zac und Gragas ähnliche Stärken. Beide können gut als Initiatoren fungieren und haben frustrierend langanhaltende Fähigkeiten zur Massenkontrolle, um die gegnerischen Carrys unschädlich zu machen. Gragas ist eine großartige Wahl, wenn man einen flexibleren Tank will, da er dank „Explosives Fass“ genauso gut flüchten wie angreifen kann. Zac verfügt hingegen über hohe Reichweite: „Elastische Schleuder“ ermöglicht es Zac, aus absurd großen Entfernungen Kämpfe zu beginnen, und sollte er einen oder zwei Carrys erwischen, kann er sie dank „Hopsen wir los“ zur Schlachtbank führen. Wenn man jedoch einen reinen Carry sucht, führt an Kha’Zix kein Weg vorbei. Der Räuber der Leere ist die Definition eines Assassinen im Dschungel: Er schneidet durch isolierte Ziele wie Dorans Klinge durch Butter, bevor er zu seinem nächsten Opfer weiterspringt. Dank seines erhöhten Schadens an isolierten Zielen kann er auch mit neutralen Monstern wie dem Baron oder den Drachen kurzen Prozess machen.
 
Wenn sich die Carrys entscheiden, voll auf Schaden zu gehen, ist Nunu eine ausgezeichnete Wahl. Der Yeti-Reiter erfreut sich seit der letzten Patches wieder großer Beliebtheit und dank „Blutrausch“ gibt es kaum einen Besseren als Nunu, um den Twitches und Vaynes dieser Welt unter die Arme zu greifen. Ganz zu schweigen von „Konsumieren“, das es ihm ermöglicht, nach Belieben Ziele zu kontrollieren. Wenn das Team jedoch viele Nahkampf-Champions hat und man einen robusten Frontkämpfer benötigt, ist Sejuani die naheliegende Wahl. Dank der Aktualisierung zur Saisonmitte ist der Zorn des Nordens zorniger als je zuvor. „Permafrost“ eignet sich perfekt, um einzelne Ziele festzuhalten, und obwohl „Eisgefängnis“ nicht mehr jeden Gegner betäubt, ist es immer noch ein mächtiges Werkzeug, um einen Kampf zu beginnen. 
 
Welchen Champion man auch immer auswählt, Broxah, der Jungler von Fnatic, empfiehlt, sich auf einen kleinen Kreis zu beschränken. Er sagt: „Man sollte nur wenige Champions spielen, am besten 2 oder 3. Dadurch lernt man schneller mit unterschiedlichen Gegnern im Dschungel zurechtzukommen, und gleichzeitig wird es leichter, mit diesen Champions um spezielle Lanes herum zu spielen. Ein weiterer Vorteil ist der mechanische Aspekt: „Je häufiger man mit einem Champion spielt, desto besser versteht man seine Mechaniken."

EFFEKTIVE WEGFINDUNG

Trashy planning

Das neueste Modewort, mit dem der Wert eines Junglers gemessen wird, ist „Wegfindung“. Dieser Ausdruck gewann vor allem in der Saison 2017 immer mehr an Bedeutung, als die Änderungen an den Timern für das Erscheinen der Dschungellager dafür sorgten, dass die Jungler ihre Bewegungen so effizient wie möglich gestalten mussten. Unter Wegfindung versteht man die Route, die ein Jungler in seinem sowie im gegnerischen Dschungel wählt, in welcher Reihenfolge er die Lager angreift und wann er versucht, seine Gegner aus dem Hinterhalt zu überraschen (oder andersherum, abhängig vom Spieler und Champion).

Trashy von Splyce ist der Meinung, dass eine gute Wegfindung essenziell ist, wenn man ein erfolgreicher Jungler sein will. Er sagt: „Achte immer auf deine Wegfindung – Angriffe aus dem Hinterhalt machen noch keinen guten Jungler aus. Die besten Jungler der Welt zeichnen sich dadurch aus, dass sie genau wissen, wann sie in ihrem Dschungel farmen können und wann sie Druck auf die Karte ausüben müssen. Versuche, im Kopf mitzuzählen, wann deine Lager wieder erscheinen, und stelle sicher, dass der gegnerische Jungler deine Lager nicht umsonst bekommt. Versuche immer, ihn zu einem Schlagabtausch zu zwingen oder sogar zu töten, wenn du stärker bist.“

Broxah fügt noch hinzu: „Im frühen Spiel ist es wichtig, eine gute Balance zwischen Angriffen aus dem Hinterhalt und dem Farmen der Lager zu finden. Wenn deine Teammitglieder ihre Lanes vorantreiben und dein Jungler mindestens genauso stark ist wie der gegnerische Jungler, dann solltest du immer versuchen, dir die Lager der Gegner zu schnappen und in ihrer Nähe zu kämpfen. Versuche, aggressiv zu spielen und die Sicht deiner Teammitglieder zu verbessern. Selbst wenn du keine Gelegenheit bekommst, aus dem Hinterhalt anzugreifen, sollten deine Gegner wissen, dass du in der Nähe bist und dass du sie bestrafst, wenn sie auch nur den kleinsten Fehler machen.“

Bei der Wegfindung solltest du immer deine Pläne für das frühe Spiel berücksichtigen, die du auch deinem Team mitteilen solltest. Jankos, der Jungler von H2K, sagt: „Zu Beginn des Spiels solltest du immer auf deine Lanes achten und entscheiden, welcher du zuerst hilfst (was von den Fähigkeiten zur Massenkontrolle abhängt). Wenn die Lane in Richtung deines Verbündeten vorangetrieben wird, kannst du immer versuchen, den gegnerischen Champion auf der Lane anzugreifen, da er eine schlechtere Position hat. Wenn du in der Nähe der Lane jedoch Augen vermutest und er dennoch aggressiv spielt, solltest du vorsichtig sein, da es sich wahrscheinlich um eine Falle handelt. Wenn dein Laner die Lane unnachgiebig vorantreibt – hallo, Yasuo-Spieler – solltest du Augen platzieren und wenn möglich in seiner Näher bleiben. In solchen Fällen ist es nämlich sehr wahrscheinlich, dass du die Gegner aus dem Hinterhalt angreifen und dir so einen Vorteil verschaffen kannst."

Wenn deine Teammitglieder in Sicherheit sind und gerade die Lanes vorantreiben, solltest du entweder den gegnerischen Dschungel überfallen und nach dem anderen Jungler suchen, oder einen Hinterhalt vorbereiten.

Marcin "Jankos" Jankowski

DIE PLANUNG EINES ÜBERFALLS AUF DEN GEGNERISCHEN DSCHUNGEL

Broxah und Trashy haben bereits über das Angreifen gegnerischer Lager gesprochen, aber was denken sie über Überfälle auf den gegnerischen Dschungel? Überfälle auf den gegnerischen Dschungel bedürfen in der Solo-Warteschlange meist wesentlich weniger Planung als in professionellen Spielen und in der Regel reicht es aus, wenn jemand den Befehl dazu in den Chat schreibt und in den gegnerischen Dschungel stapft. Das richtige Timing für einen Überfall auf den gegnerischen Dschungel ist eine Kunst, und das nicht nur auf Stufe 1. Wenn du jemals Svenskeren von TSM bei einem versuchten Überfall auf den gegnerischen Dschungel zugesehen hast, weißt du, wie schnell dieses Vorhaben ohne gründliche Planung und das Wissen um den Gegner im Dschungel schiefgehen kann. 

Bei diesem Thema gehen die Meinungen der Jungler der EU LCS auseinander, vor allem, wenn es um die Solo-Warteschlange geht. Auf der einen Seite haben wir Broxah. Der Jungler von Fnatic sagt: „Sei respektvoll und lass dich auf keine riskanten Überfälle auf den gegnerischen Dschungel ein. Wenn du glaubst, dass an den Eingängen zum gegnerischen Dschungel Augen platziert sind und dich deine Lanes nicht unterstützen können, solltest du auch nicht in den Dschungel gehen.“ 

Für Jankos steht die Unberechenbarkeit im Vordergrund. Der Jungler von H2K sagt: „In der Solo-Warteschlange solltest du versuchen, so unberechenbar wie möglich zu sein. Überfalle mit Stufe 2 oder 3 den gegnerischen Dschungel, denn wenn du dich geschickt anstellst, funktioniert so ein Manöver immer. Schau dir einfach die Profi-Spieler an und was sie machen, wenn sie bereits früh den gegnerischen Dschungel überfallen. Und versuche immer, die Schwächen deines Gegners zu deinem Vorteil zu nutzen. Starke Jungler können problemlos den gegnerischen Dschungel überfallen, vor allem, wenn es sich bei ihren Gegenstücken um Tanks handelt. Konzentriere dich auf Lanes mit Champions, die Fähigkeiten zur Massenkontrolle haben, oder weit vorangetrieben Lanes, da du so leichter aus dem Hinterhalt angreifen kannst. Wenn deine Teammitglieder in Sicherheit sind und gerade die Lanes vorantreiben, solltest du entweder den gegnerischen Dschungel überfallen und nach dem anderen Jungler suchen, oder einen Hinterhalt vorbereiten."

HILFE FÜR BENACHTEILIGTE LANES

Broxhjngtips

Was macht man, wenn die Lanes in Schwierigkeiten sind? Hierbei handelt es sich um ein Thema, das bei Junglern immer wieder für Frustration sorgt. Das liegt daran, dass es relativ schwierig ist, mit so einer Situation umzugehen, vor allem, wenn man Spiele mit niedriger Elo-Wertung spielt oder Probleme hat, klare Ansagen zu machen. Als Jungler bekommt man häufig die Schuld, wenn die Teammitglieder überall auf der Karte Probleme haben, selbst wenn sie schon alle tot sind, bevor man sich den ersten Buff holen konnte. 

Trashys rät: „Du kannst nicht jeder Lane auf der Karte helfen. Stattdessen musst du dein eigenes Spiel durchziehen, auch wenn du dafür bei lebendigem Leibe geröstet wirst.“ Man muss wissen, dass man nicht jede Lane gleichzeitig beeinflussen kann und die Dinge manchmal einfach schlecht laufen. In solchen Fällen ist es unerlässlich, dass man die Ruhe bewahrt und sich darauf konzentriert, das Spiel wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Wenn man in so einer Situation jedoch Probleme hat, was kann man dann tun, um wieder die Kontrolle über das Spiel zu erlangen? Broxah sagt: „Für einen Jungler ist es immer sehr schwierig, wenn alle drei Lanes verlieren. In der Regel bedeutet das nämlich, dass sowohl die gegnerischen Champions von den Lanes als auch der gegnerische Jungler versuchen, dir deine Lager wegzunehmen. Deshalb musst du in solchen Fällen wirklich hart kämpfen, um nicht zurückzufallen. In diesen Spielen musst du so schnell wie möglich versuchen, Einfluss auf das Spiel zu nehmen, was häufig bedeutet, dass du dich selbst opfern musst, um ein oder zwei Lanes einen Vorteil zu verschaffen. Du musst Hinterhalte den Lagern vorziehen und alles in deiner Macht Stehende tun, um deinem Team zu helfen, bevor es zu spät ist.“

Broxah hat noch eine weiteren Ratschlag, der in solchen Situationen nützlich sein kann: „Überlasse deinen Teamkameraden Kills, wenn möglich. Als Jungler musst du deine Teammitglieder unterstützen und dafür sorgen, dass sie das Spiel gewinnen können, nicht umgekehrt. In den meisten Fällen ist es wesentlich einfacher zu gewinnen, wenn du deinen Teammitgliedern die Kills überlässt.“ Das ergibt Sinn, vor allem, wenn die Lanes im Nachteil sind. Und Broxahs Vorschlag, dich selbst zu opfern und deinen Verbündeten die Kills zu überlassen, kann den Unterschied ausmachen. Wenn du auf die untere Lane kommst und deinem AD-Carry, der bereits im Nachteil ist, eine Doppeltötung verschaffst, kann das den Unterschied zwischen einem langsamen, qualvollen Tod und einem hart umkämpften Sieg ausmachen.

Sobald du die erste Hälfte des Spiels erfolgreich hinter dich gebracht hast, geht es darum, gut mit deinem Team zusammenzuarbeiten und Ziele zu sichern. Es ist unwahrscheinlich, dass du eine Lane im Alleingang vorantreiben wirst (außer du spielst Master Yi oder einen ähnlichen Champion), daher ist es vor allem deine Aufgabe als Jungler, die Ziele zu kontrollieren und Kills vorzubereiten, oder Kämpfe zu beginnen, damit deine Carrys zuschlagen können. Beherzige die Tipps der Profis, lerne immer aus deinen Fehlern und geh mit der richtigen Einstellung in ein Spiel, dann werden sich deine LP im Nu vermehren.