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Der König des ersten Blutes - ein Blick auf Jankos

Auf europäischer Ebene bekannt geworden als “König des ersten Blutes” hat sich Marcin “Jankos“ Jankowski nun auch schon international einen Namen als außergewöhnlicher Jungler gemacht. Von seinen Gegnern geachtet und von seinen Fans für seine Sprüche geliebt ist er aus der EU LCS nicht mehr wegzudenken.

Von Challenger zum Halbfinale der Weltmeisterschaft 


Wir haben es ein bisschen Glück zu verdanken, dass Jankos überhaupt zu League of Legends gefunden hat. Durch ein polnisches TV Programm über Videospiele erfuhr zufällig in der ersten Saison davon, dass es League of Legends überhaupt gibt. Da er schon ähnliche Spiele ausprobiert hatte, entschied er sich auch dem Spiel eine Chance zu geben. Im Interview mit mir erzählte er:  “Ich wollte League ausprobieren. Nachdem ich dies getan hatte zeigte ich es mehr und mehr Freunden, was dazu führte, dass wir es alle zusammen spielten.” Zuerst spielte Jankos nur auf dem nordamerikanischen Server. Dort stieg die Rangliste so weit hinauf, dass er bald von einer Organisation unter Vertrag genommen wurde. Dies war aber von nur kurzer Dauer.
Zusammen mit seinen Freunden entschied er sich dann dazu ein eigenes Team, unter dem Schirm von Kiedyś Miałem Team (KMT), zu gründen und sich durch Eigeninitiative durch die Challenger Serie für die LCS zu qualifizieren. KMT ergatterte dann tatsächlich einen Platz in der LCS durch das Promotionsturnier im Sommer 2013 in dem sie gegen Ninjas in Pyjamas gewannen. Mit dem Einzug in die Liga beschloss er alles auf eine Karte zu setzen und professioneller Spieler zu werden. Er verließ die Schule vor dem seinem Abschluss. “Meine Mutter war eigentlich dagegen aber hat mich am Ende doch unterstützt. Für Eltern ist die Schulausbildung wichtig, aber ich habe das Glück, dass ich eine Familie habe, die voll hinter mir steht.”

In englisch-sprachigen Teams muss erst Vertrauen aufgebaut werden.

Jankos

Vor seinem ersten Split in der LCS wurden Jankos und sein Team von der deutschen Organisation ROCCAT aufgekauft und spielten ab jetzt unter diesem Banner. Der Namenswechsel tat dem Team nichts ab und sie erreichten schon im ersten Split viel. Sie sicherten sich den 4. Platz in der regulären Saison und wurden Halbfinalist in den Playoffs. Im Sommer aber konnten sie mit der Konkurrenz nicht mithalten, die erwartete Leistung blieb aus. Es reichte nur für den 6. Platz. Hinzu kam, dass sie sich nicht gegen SK-Gaming um den Platz bei der Weltmeisterschaft durchsetzen. Trotz allem wurde Jankos schon als ein großes Talent im Jungle angesehen, aber generell noch von anderen Spielern überschattet. Am Ende der vierten Saison trennte sich das bisher nur aus polnischen Spielern bestehende Team. Zwei gingen und drei blieben, darunter Jankos. Kurz bevor die neue Saison startete wurde bekannt, dass von nun an Erlend "Nukeduck" Våtevik Holm in der Midlane das Team verstärken sollte.

Statt einem exklusiv polnischen Team setzte Roccat nun auf individuelle Talente, unabhängig von Sprache. Damit veränderte sich ROCCAT von einem rein polnischen Team zu einem in dem Englisch die Hauptsprache wurde. Dieser Übergang war aber aber kein Problem für Jankos. Der einzige Unterschied sei gewesen, dass ein ganz polnisches Team sich sofort versteht, während man in einer Zweitsprache erst Vertrauen aufbauen muss. Der darauffolgende Spring-Split 2015 verlief jedoch  enttäuschend. Nur der 8. Platz und damit ein Kampf im Relegationsturnier. Doch Jankos blieb seinem Team treu, trotz mehrer Spielerwechsel. Platz 5 im Sommer erlaubte dem Team wenigstens um einen Platz bei der Weltmeisterschaft zu kämpfen, den sie aber gegen Origen verloren. Obwohl er erst geplant hatte bei ROCCAT zu bleiben, zog er die Konsequenzen aus zwei verpassten Weltmeisterschaften. Als er die Möglichkeit bekam mit seinem langjährigen Teamkollegen Oskar “VandeR” Bogdan zu H2K-Gaming zu wechseln, ließ er sich die Chance nicht entgehen.

 

h2k

 

Seine eigenen Erwartungen an sein neues Team H2K, dass bereits im vorherigen Jahr herausragende Leistungen zeigen konnte und sich für die Weltmeisterschaft qualifizierte, waren zweifelsohne sehr hoch. Auch Fans setzten große Hoffnungen in dieses Team, das nur aus der Höchstklasse an Spielern ausgestattet zu sein schien. Sie wurden nicht enttäuscht. Im Frühjahr 2016 erreichte das Team den zweiten Platz in der regulären Saison, leider nur der 4. nach den Playoffs durch eine Niederlage gegen Fnatic. Die Siegesserie brach im Sommer deshalb dennoch nicht ab. Sie sicherten sich den 4. Platz in der regulären Saison, dann durch Playoffs den 3. Platz und damit nach Punkten das Ticket zur Weltmeisterschaft. Nicht nur dies muss für Jankos die Erfüllung eines Traums gewesen sein, auch dass er diesen Erfolg vor seinen Landsleuten in Krakau feiern konnte. Er beschreibt die Ehre dort spielen zu dürfen als die Erfüllung eines großen Traumes. “Die ganze Menge hat mich angefeuert und unterstützt, das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Es war eine grandiose und herrliche Erfahrung, die ich nie vergessen werde.” 
Weiter ging es also nach Nordamerika zu seiner ersten Weltmeisterschaft nach einem langen Bootcamp in Korea. Die Gruppe in der sich H2K befand schien keine Leichte zu sein, mit dem chinesischen Team EDG und dem taiwanesischen Team Ahq, trotzdem wollte man sein bestes geben. Und während die anderen europäischen Teams weit unter ihren Erwartungen zurück blieben, übertrafen H2K die ihren. Sie zeigten nicht nur sehr gute Leistungen und konnten Siege einstreichen und dies auch gegen starke Gegner. Sie sicherten sich außerdem den ersten Platz in ihrer Gruppe. Jankos war schon zu dieser Zeit in aller Munde und man begann ihn als besten westlichen Jungler zu bezeichnen.  Da sie sich in den Viertelfinal Spielen gegen das russische Team Albus Nox Luna durchsetzen konnten, kämpften sich H2K bis ins Halbfinale. Obwohl ihnen der Finaleinzug durch eine klare 3-0 Niederlage gegen das koreanische Team Samsung Galaxy verwehrt wurde, war dies trotzdem eine herausragende Leistung mit der alle zufrieden sein konnten. Das Potential für noch bessere Leistungen in der kommenden Saison war also mit seinem momentan Team sehr hoch. Jankos blieb H2K auch für das nächste Jahr treu.

 

Mein größter Traum momentan ist es wenigstens einen Split in Europa zu gewinnen. Ich bin nie europäischer Champion geworden, Ich bin nicht mal unter die Besten 2 gekommen. Ich möchte mich jetzt in Europa beweisen.

Jankos im Interview mit CaseKing

Die Frühlingssaison dieses Jahres verlief für H2K nur teilweise nach Plan. Sie konnten ihre guten Leistungen, die sie in der Weltmeisterschaft unter Beweis gestellt hatten, nur teilweise bringen. Dies enttäuschte Fans. Die schlechte Saison endete mit einer enttäuschenden 3-0 Niederlage gegen Fnatic in der ersten Runde der Playoffs. Für die neue Saison wollten sich Jankos und sein Team also zurück an die Spitze kämpfen, um sich ihren Platz bei der nächsten Weltmeisterschaft zu verdienen “Der letzte Spring Split 2017 war ein  Misserfolg, den ich nie wiederholen möchte. Danach [möchte ich] zu der Weltmeisterschaft, denn es war letztes Jahr eine großartige Erfahrung und ich hoffe es wäre dieses Jahr genauso”.

 


 

jankos

Wäre er nicht so aggressiv, würde er anstatt Jungle ADC spielen
 

Das Problem [als ADC] wäre für mich, dass ich sehr aggressiv bin und gerne kämpfe, deswegen würde ich wahrscheinlich oft außer Position sein.

Jankos

Wir kennen alle den Begriff “König des ersten Blutes” im Zusammenhang mit Jankos. Verdient hat er sich den Namen zum einen weil er oft an ersten Tötungen beteiligt ist. Zum Anderen aber, weil er in seiner Anfangszeit in der LCS durch seinen aggressiven Stil oft selbst zum Opfer der ersten Tötung geworden ist. Der Titel bezieht sich also auf beide Möglichkeiten. In letzter Zeit scheint diese Aggression etwas nachgelassen zu haben. Er ist augenscheinlich nicht so oft an ersten Tötungen beteiligt, wie man es gewöhnt ist. Tatsächlich ist er aber mit einer Killparticipation von 62% und bisherigen 27 Tötungen insgesamt immer noch ganz oben unter den Junglern in Europa. Er wird nur von Unicorns of Love Jungler Andrei "Xerxe" Dragomir geschlagen. Eine hohe Beteiligung an Tötungen bei Junglern zeigt häufig, dass sie sehr aktiv im frühen Spiel sind und das ist bei Jankos ganz sicher der Fall, ob er nun erstes Blut vergießt oder nicht.
Zu diesem aggressiven Spielstil passt auch sein Lieblingschampion Lee Sin. “Ich liebe diesen Champion und die Tatsache, dass ich immer nützlich für das Team bin.” Er mag vor allem die Mobilität, die Lee Sin durch seine Fähigkeiten hergibt. Seine Leistungen mit Lee Sin durften wir ja schon öfter in der LCS bestaunen. Erst letzte Woche führte er sein Team zu einem Sieg über Team Vitality. Wenn er nicht Jungle spielen würde, sagt er, wäre er ein Schütze. Er hatte die Rolle oft gespielt bevor er sein Zuhause außerhalb der Lanes fand. Er denkt, dass seine Fähigkeiten dafür definitiv ausreichen würde, nur stände vielleicht sein aggressiver Stil im Weg. AD’s müssen generell viel vorsichtiger sein und sich richtig in Kämpfen positionieren. Das könnte Jankos nicht so liegen, sagt er. 

Nach seiner Karriere als professioneller Spieler möchte Jankos sich gerne dem Streamen widmen. Er versucht sich schon jetzt eine große Gruppe an Fans aufzubauen, die ihn dann unterstützen würden. “Wenn Leute sich die Zeit nehmen mich kennenzulernen, dann denke ich, dass sie meine Streams mögen werden.” Als Streamer könnte er auch seinen Berufswunsch aus der Kindheit ausleben. Bevor er sich für eine Spielerkarriere entschied wollte er Lehrer werden. Als Streamer hätte er die Möglichkeit seinen Zuschauern nicht nur Tipps über League zu geben, sondern  auch über das richtige Verhalten im Jungle unterrichten. Wichtig ist für ihn aber, dass es nicht zu trocken wird. Er vermischt also Informationen mit seinem einzigartigen Humour, den wir alle in Interviews schon kennengelernt haben. “Und das ist dann quasi meine Persönlichkeit”.